Mainz | Die Satire-Partei "Die Partei" (Vorsitzender: Ex-Titanic-Chefredakteur Martin Sonneborn) sorgt für muntere Momente im müden Wahlkampf - dank des Radiosenders SWR 1 Rheinland-Pfalz. Der will einen Wahlwerbespot zu den Europawahlen nicht ausstrahlen.

Nun ist es so, dass der Beitrag ziemlich abgedreht ist. 112 Sekunden lauscht das Auditorium. Und es hört - Geräusche. Ein kurzes Hüsteln; raschelndes Papier; zischendes Sprudelwasser; eine quietschende Tür. Und so weiter und so weiter. Dann ertönt eine Stimme: "Ist das Ding an?" Ende des Spots. Gemeint ist, ob das Mikrofon schon an ist. Der Spot suggeriert, dass ein Mikro unbeabsichtigt gelaufen ist. Es gibt Leute, die finden das witzig. Die vom öffentlich-rechtlichen SWR finden das blöd und begründen die Ablehnung so: "Hierbei handelt es sich mangels Wahlaufrufs für Ihre Partei nicht um Wahlwerbung." Basta!

Dem Sonneborn kann\'s schnuppe sein. Er hat wieder mal erreicht, was er wollte: Aufmerksamkeit. Seit 2004 ist der Satiriker Bundesvorsitzender (Parteijargon: GröVaZ - Größter Vorsitzender aller Zeiten) seiner "Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative". Zuletzt trat die Partei zur Bundestagswahl an. Das "Regierungsprogramm" enthielt knallharte Positionen wie: "Einführung der Faulenquote" - "Artenschutz für Grüne" - "Das Bier entscheidet". 78357 Menschen stimmten für die Partei.

Vor den Europawahlen klagte auch "Die Partei" gegen die (inzwischen aufgehobene) 3-Prozent-Sperrklausel. Begründung: "In einer Demokratie muss jede Partei die Möglichkeit bekommen, sich vor dem Wähler zu blamieren."