Berlin - Immer mehr Menschen in Deutschland greifen zur Leistungssteigerung zu der verheerenden Droge Crystal Meth. Gleichzeitig gefährden sich Millionen junge Erwachsene durch riskant viel Alkohol.

Das sind zentrale Trends beim Rauschmittelkonsum, die die Bundesregierung durch Aufklärung, Vorbeugung und Einsatz gegen den Drogenhandel bekämpfen will. Die Drogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU) kündigte bei der Präsentation des neuen Drogen- und Suchtberichts in Berlin entsprechende Initiativen an - machte aber deutlich, dass schnelle Lösungen nicht in Sicht sind.

Der Drogenverdacht gegen den SPD-Abgeordneten Michael Hartmann hatte jüngst ein Schlaglicht auf die Verbreitung von Crystal in Deutschland geworfen. Bisher galt das Rauschgift vor allem im deutsch-tschechischen Grenzgebiet als Problem. Mortler bestätigte, die stark süchtig machende Modedroge komme auch in deutschen Großstädten häufiger vor. So wurde 2013 in Berlin 34 Mal Crystal sichergestellt, im Jahr zuvor acht Mal. Die Zahl erstmals auffällig gewordener Konsumenten stieg bundesweit um sieben Prozent auf 2746.

Mortler sagte, Schüler, Sportler, aber auch werdende Mütter nähmen Crystal. Das Hauptmotiv sei Leistungssteigerung. Die Zusammenarbeit mit den Behörden in Tschechien werde immer enger. Kontrollen würden verstärkt, um die häufig aus tschechischen Drogenküchen stammende Droge aufzuspüren. Die Politikerin machte zugleich deutlich: "Der Konsum von Crystal Meth ist im Moment noch kein flächendeckendes bundesweites Problem." Es gebe dazu aber wenig Daten.

Zu Hartmann wollte Mortler keine Bewertung abgeben. Der SPD-Abgeordnete soll laut "Spiegel Online" mindestens dreimal Crystal Meth gekauft haben. Ermittler fanden bei ihm aber keine Drogen.

Alarmiert zeigte sich Mortler durch den hohen Alkoholkonsum. So trinken 54 Prozent der jungen Männer und 36 Prozent der jungen Frauen laut Robert Koch-Institut riskant viel. Künftig sollten sich Aufklärungs- und Vorbeugeprogramme gezielt auch an Auszubildende und Studenten richten. Mehr als 26 600 Mal wurden zuletzt 10- bis 20-Jährige pro Jahr wegen zu viel Alkohol in die Klinik gebracht. Mortler: "Das dürfen wir nicht hinnehmen." Mit im Schnitt 9,6 Litern Alkohol pro Kopf sei Deutschland in Europa mit an der Spitze.

"Etwa 110 000 Todesfälle pro Jahr müssen in Deutschland unmittelbar auf das Rauchen zurückgeführt werden", stellt der Bericht fest. Knapp 15 Millionen Bundesbürger ab 15 rauchen - mehr als jeder Vierte.

Mortler wandte sich gegen eine Legalisierung von Cannabis. Es ist die illegale Droge Nummer eins in Deutschland - fast jeder Vierte zwischen 18 und 64 hat damit Erfahrung. Bei den 12- bis 17-Jährigen nahm der Anteil der Konsumenten 2013 leicht auf knapp 6 Prozent zu.

Zugleich gibt es bei den Jugendlichen positive Entwicklungen. Bei den 12- bis 17-Jährigen hat sich das Rauchen seit 2001 von rund 28 auf 12 Prozent mehr als halbiert. Insgesamt ging auch der regelmäßige Alkoholkonsum unter Jugendlichen von rund 18 auf 14 Prozent zurück.

Mit der bestehenden Anti-Sucht-Aufklärung und Reha-Möglichkeiten zeigte sich Mortler zufrieden. Doch es gebe auch viel Grund zur Sorge und den Ausbau von Hilfen. So lebten 2,6 Millionen Kinder in von Sucht belasteten Familien - mit dem Risiko, selbst in die Sucht zu schlittern. Babys von Müttern, die trinken oder Drogen nehmen, kämen oft mit Schäden zur Welt. Vor allem junge Menschen nähmen oft mehrere Drogen gleichzeitig. Sucht nach Automatenspiel und ständigem Internetsurfen gefährde die Lebensperspektive vieler Hunderttausender Jugendlicher und junger Erwachsener. Immer neuen, anfangs legalen Designerdrogen laufe der Staat mit Verboten hinterher. E-Zigaretten und -Sishas können laut Mortler zum Rauchen hinführen.

Die Linke forderte Werbeverbote für Alkohol und Tabak und eine Entkriminalisierung von Drogen. Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) warb für eine neue Hotline zu Crystal.