Wer hat an der Uhr gedreht? Der bolivianische Außenminister war´s.Senor David Choquehuanca von der linksgerichteten Regierung. Denn neuerdings ticken im Andenstaat die Uhren anders - entgegen dem Uhrzeigersinn.

Besonders Aufmerksame haben es ganz schnell mitgekriegt: An der Kuppel des Kongressgebäudes von La Paz haben sich die Zeiten zuerst geändert. Dort hat sie begonnen, die kleine Revolution. Die 1 steht jetzt links neben der 12. Und so wandern die Zeiger der Uhr auch nach links. Künftig soll das an allen öffentlichen Gebäuden so sein. Bald auch am Titicacasee.

Der Außenminister hält es für absolut logisch, den Lauf der Zeit im Andenstaat zu ändern. Eine Uhr auf der südlichen Halbkugel drehe sich eben andersherum als eine auf der nördlichen. Punkt. Die überraschende Zeiten-Wende hat allerdings auch eine politische Dimension.

Mit der Ticktack-Taktik will die Regierung ein klares Zeichen setzen und alte Spuren der spanischen Kolonialisten ein für allemal tilgen.

Der Opposition in Bolivien hingegen geht die Sache mit dem Chronometer ziemlich auf den Zeiger. Die von der Regierung ticken wohl nicht richtig, heißt es dort. Die Uhr-Aktion wird als Zeichen dafür gewertet, dass sich die Dinge im Land rückwärts entwickeln.

Und so dürfte nicht jeder in dem südamerikanischen Land die in eine andere Richtung gelenkte Zeit so u(h)rig finden wie unser Senor Choquehuanca. Mal sehen, wann sich die ersten der gut zehn Millionen Bolivianer die guten alten Zeiten zurückwünschen.Michael Bock

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