Berlin - Viele Bundesbürger brauchen Nachhilfe in Sachen Gesundheit: Jeder vierte gesetzlich Krankenversicherte kann mit ärztlichen Empfehlungen nichts oder wenig anfangen. Das ergab eine Studie des Wissenschaftlichen Instituts der AOK.

60 Prozent der Deutschen zeichnen sich danach durch "problematische" oder "unzureichende" Gesundheitskompetenz aus. Immerhin 33,5 Prozent sind ausreichend kompetent, nur sieben Prozent wissen gut Bescheid. Fazit: Um das Gesundheitswissen der Versicherten ist es meist schlecht bestellt. Zuerst hatte die "Rheinische Post" über die AOK-Studie berichtet.

"Gut verständliche und verlässliche Informationen sind für viele Menschen das A und O, um die richtigen Entscheidungen für ihre Gesundheit zu fällen. Dass viele Menschen Schwierigkeiten haben, Unterstützungsangebote zu finden, ist ein Alarmsignal", sagte der Chef des AOK-Bundesverbandes, Jürgen Graalmann.

Selbst Akademiker haben nach seinen Worten Probleme, gesundheitsrelevante Informationen zu verstehen. "Wir müssen feststellen, dass das Bild vom souveränen Patienten Kratzer bekommen hat." Graalmann forderte daher, gesundheitliche Bildung schon in Kita, Vorschule und Schule stärker als bisher zu verankern.

Die Wissensdefizite haben auch finanzielle Folgen. Weniger kompetente Menschen verhalten sich risikoreicher, nehmen Angebote zur Prävention und Früherkennung zu wenig in Anspruch und verursachen höhere Behandlungskosten. Nach Schätzungen schlägt das laut AOK mit bis zu 15 Milliarden Euro Mehrausgaben zu Buche.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz sieht die Ursache des Problems im "Kauderwelsch der Gesundheitsberufe". Durch Bildung der Bevölkerung mehr Gesundheitskompetenz erreichen, sei die einfache, aber falsche Formel der AOK, sagte Vorstand Eugen Brysch. Medizin- und Pflegeberufe müssten fit für die Kommunikation vor allem mit alten und bildungsfernen Menschen gemacht werden. "Denn Therapie ohne die Information des Patienten ist schwer möglich. So sind Behandlungsfehler vorprogrammiert", mahnte Brysch.