Werl - In den Streit um einen muslimischen Schützenkönig im westfälischen Werl hat sich die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) eingeschaltet.

In einem Brief an den Geschäftsführer des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaft (BHDS) nennt ADS-Leiterin Christine Lüders die Haltung des Dachverbandes intolerant und diskriminierend.

Der Pressesprecher des Dachverbandes BHDS verwies am Dienstag auf eine Sondersitzung zum Fall Gedik an diesem Mittwoch. "Die Situation wird beraten und anschließend gibt es ein Ergebnis", sagte Sprecher Rolf F. Nieborg der Nachrichtenagentur dpa. Er kündigte für Mittwochabend eine Erklärung an.

Am Wochenende war bekanntgeworden, dass der BHDS die Abdankung des muslimischen Schützenkönigs Mithat Gedik fordert, weil er kein Christ ist, wie es die Satzung der Schützenbruderschaft in Werl-Sönnern verlangt.

In dem Brief der Antidiskriminierungsstelle, der der Nachrichtenagentur dpa vorliegt, weist Lüders den BHDS auf den Vereinszweck der Schützenbruderschaft in Werl hin, nämlich den "Ausgleich sozialer und konfessioneller Spannungen im Geiste echter Brüderlichkeit". "Was könnte besser dem Vereinszweck dienen als ein muslimischer Schützenkönig?", fragt Lüders.

Bayerische Schützenvereine sehen in einem muslimischen Schützenkönig in ihren Reihen kein Problem. "In Bayern spielt das gar keine Rolle, welcher Religion oder Ausrichtung jemand angehört", betonte der Geschäftsführer des Bayerischen Sportschützenbundes, Alexander Heidel, am Dienstag. Im Gegenteil: "Integration spielt bei den bayerischen Schützen seit jeher eine große Rolle." Anders als in anderen Bundesländern sind unter dem Dach des Bayerischen Sportschützenbundes sowohl Schießsport-Anhänger als auch Schützen zusammengeschlossen, bei denen eher die Traditionspflege im Vordergrund steht.