Dresden - Das politische Deutschland schaut an diesem Sonntag auf Sachsen: Bei der Landtagswahl im Freistaat, der ersten nach der Bundestagswahl vor elf Monaten, muss das letzte schwarz-gelbe Bündnis in Deutschland mit seiner Abwahl rechnen.

Die CDU von Ministerpräsident Stanislaw Tillich liegt in den Umfragen mit Werten von rund 40 Prozent zwar klar vorn. Allerdings werden ihrem Koalitionspartner FDP angesichts seiner Umfragewerte um die 3 Prozent kaum Chancen auf einen Wiedereinzug in den Landtag eingeräumt. Dafür dürfte die eurokritische Alternative für Deutschland (AfD) erstmals in ein Landesparlament einziehen.

Am wahrscheinlichsten ist deshalb eine CDU/SPD-Koalition als künftige Landesregierung, wie es sie bereits von 2004 bis 2009 gab.

Den Umfragen zufolge kann die Linke mit rund 20 Prozent der Stimmen rechnen und wäre dann wie seit 1999 zweitstärkste Kraft. Die SPD erwartet nach dem schwachen Abschneiden bei der letzten Wahl 2009 mit 10,4 Prozent (2004: 9,8) deutliche Zuwächse und kann mit bis zu 15 Prozent rechnen. Die Grünen lagen zuletzt bei Werten von 5,5 und 6 Prozent und würden damit im Landtag bleiben. Für die rechtsextremen NPD ist der Wiedereinzug bei Umfragewerten von 5 Prozent noch offen. Die AfD wird mit 7 Prozent gehandelt.

Am Freitag hatten mehrere Parteien auf Abschlusskundgebungen noch einmal ihre Anhänger mobilisiert oder unentschlossene Wähler zu überzeugen versucht. Laut ZDF-Politikbarometer sind erst 61 Prozent aller Wahlberechtigten sicher, ob und wen sie wählen wollen. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) kam ebenso nach Dresden wie ihr Vorgänger Gerhard Schröder (SPD).

Befürchtet wird eine niedrige Wahlbeteiligung, weil der Sonntag der letzte Ferientag in Sachsen ist. Viele Wahlberechtigte könnten noch auf dem Rückweg aus dem Urlaub sein.

Rund 3,4 Millionen Bürger sind zur Wahl aufgerufen. Um die regulär 120 Mandate im Landtag in Dresden bewerben sich 636 Kandidaten. Durch Überhang- und Ausgleichsmandate zählte der Landtag zuletzt 132 Abgeordnete. Die CDU hatte schon die Wahl 2009 mit 40,2 Prozent gewonnen. Dahinter folgten Linke (20,6 Prozent), SPD (10,4), FDP (10,0), Grüne (6,4) und NPD (5,6). Die bisherige Sitzverteilung im Landtag: CDU (58), Linke (29), SPD (14), FDP (14), Grüne (9), NPD (8). Die Wahlbeteiligung lag damals bei 52,2 Prozent.

In zwei Wochen werden in zwei weiteren ostdeutschen Bundesländern neue Landtage gewählt: In Thüringen, wo unter Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) eine schwarz-rote Koalition regiert, und in Brandenburg, wo Dietmar Woidke (SPD) an der Spitze einer rot-roten Landesregierung steht.