Trends auf der IFA
ALLES VERNETZT: Nicht nur Fernseher oder Audio-Anlagen werden ans Internet angeschlossen, sondern auch alle möglichen Geräte vom Kühlschrank bis zur Waschmaschine. Unklar ist, ob es gelingt, gemeinsame Standards für die Technik zu etablieren - oder die Anbieter versuchen werden, den Markt mit eigenen Lösungen zu erobern.

RIESEN-FERNSEHER: In diesem Jahr prägen zwei Trends das Angebot der Aussteller: Ultra-HD-Fernseher mit besonders hoher Auflösung und organische OLED-Displays, die noch dünnere Geräte mit kontrastreichem Bild möglich machen.

"WEARABLES": Kleine tragbare Computergeräte, zum Beispiel als Uhr, spielen in diesem Jahr eine wichtige Rolle auf der IFA. Die großen Elektronik-Konzerne steigen außerdem ins Geschäft mit Fitness-Armbändern ein.

DRAHTLOS-MUSIK: Die Musik wird immer häufiger direkt aus dem Netz oder vom Smartphone abgespielt. Das gibt der Geräteklasse der drahtlosen Lautsprecher kräftig Auftrieb, während klassische Hifi-Technik auf dem Rückzug ist. So brach der Absatz von Heimkino-Systemen in Deutschland im 1. Halbjahr um ein Fünftel ein.

Die IFA auf dem Messegelände Berlin ist vom 5. bis zum 10. September täglich 10 bis 18 Uhr geöffnet. Die Tageskarte kostet 17 Euro, ermäßigt 12 Euro. Rund um das Gelände gibt es 12000 Parkplätze. Mehr Infos gibt es unter www.ifa-berlin.de.

Geschichte der IFA
Die IFA wird in diesem Jahr 90 Jahre alt und ist damit eine der ältesten deutschen Industriemessen. Erstmals öffnete die Funkausstellung am 4. Dezember 1924 ihre Pforten, damals im Haus der Funkindustrie auf dem heutigen Berliner Messegelände. Damals zeigten die 268 Aussteller Röhrenempfänger und Detektoren, das waren einfache Empfangsgeräte für Radiosendungen. Es kamen mehr als 170000 Besucher. Im Jahr 2013 wurden 240000 gezählt. Die IFA ist einer der größten Branchentreffs der Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik. Seit 2008 sind auch Elektrohausgeräte wie Geschirrspüler und Staubsauger zu sehen. Auf der seit 2005 wieder jährlichen Messe ordert der Handel vor allem für das Weihnachtsgeschäft.

Die Geschichte der IFA spiegelt die Entwicklung der Unterhaltungselektronik wider. 1926 gab es die erste Live-Rundfunksendung vom Messegelände. 1928 wurden die ersten Fernsehgeräte vorgestellt. Von 1933 bis 1939 propagierten die Nazis auf der IFA ihre Volksempfänger.

Anfang der 60er Jahre begann der Kassettenrekorder seinen Siegeszug. 1967 startete der damalige Vizekanzler und spätere Bundeskanzler Willy Brandt auf der Funkausstellung das Farbfernsehen in Deutschland. Mitte der 70er Jahre wurden kabellose Fernbedienungen zum Renner.

Weitere Höhepunkte waren der Videotext 1977, die Compact Disc (CD) ab 1981, digitale Kameras 1997, die ersten Flachbildschirme 2001 und Navigationsgeräte 2007. Seit zehn Jahren erobern mobile Computer, vom Laptop bis zum Smartphone, die Welt.

Auf der Industriemesse IFA in Berlin präsentiert die Elektronikbranche bis zum 10. September wieder den neuesten Stand der Technik bei Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik sowie Haushaltsgeräten. Das Internet krempelt die Branche grundlegend um. Sie beeilt sich, die passenden Produkte vorzustellen.

Berlin (dpa) l Die Elektronik-Industrie will Smartphones zur Steuerungszentrale für Haushalt und Unterhaltung machen. Auf der Branchenmesse IFA, die am Mittwoch für Journalisten begann, wollen Unternehmen dazu zahlreiche Neuheiten vorstellen. "Sie werden auf der IFA kaum ein Produkt ohne Internetanbindung finden", sagte Hans-Joachim Kamp, Aufsichtsratschef der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik, zum Auftakt der Messe.

Das gilt immer stärker auch für Haushaltsgeräte. "Die Menschen gewöhnen sich daran, ihr Leben über Smartphones und Tablets zu organisieren", sagte Reinhard Zinkann vom Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie. So lassen sich Backöfen, Kühlschränke und Waschmaschinen von Siemens, Bosch und Miele künftig mit einer Smartphone-App bedienen.

Steuerung der Hausgeräte künftig per App

Die Kunden folgen den Visionen der Branche allerdings eher zögerlich. Bislang habe der Verkauf vernetzter Geräte nur "sehr mühsam im Markt zugenommen", gab Zinkann zu, der auch Geschäftsführer von Miele ist. Er erwarte, dass sich das nun ändere, weil die Apps inzwischen mehr Funktionen hätten und einfacher zu benutzen seien. Noch gibt es allerdings keine übergreifende Plattform für die Geräte verschiedener Hersteller. Daran müssten die Unternehmen arbeiten: "Einzellösungen werden es schwer haben, die Aufmerksamkeit von Konsumenten zu erlangen", erklärte Zinkann. In der europäischen Branche werde darüber nachgedacht. Ein Bosch-Sprecher sagte, Geräte von Siemens und Bosch könnten bereits mit einer einzigen App angesteuert werden. Zudem sei die Sicherheit der Anwendungen wichtig, sagte GfU-Chef Kamp zur Eröffnung. Die Unterhaltung läuft ebenfalls zunehmend über das Netz. Hier krempeln Streaming-Dienste das Geschäft um. Damit können Nutzer Musik und Videos direkt über das Internet abspielen, statt die Dateien auf den eigenen Rechner herunterzuladen.

"Streaming wird den gesamten Medienmarkt revolutionieren", sagte Klaus Böhm, Medienexperte bei der Beratungsfirma Deloitte. Eine eigene DVD- oder Musiksammlung verliere an Bedeutung. Nach Schätzungen von Deloitte werden Medienanbieter ihre Umsätze mit Video-Inhalten auf Abruf bis 2020 fast vervierfachen. Die Musikindustrie werde bis dahin voraussichtlich jeden zweiten Euro über Streaming-Angebote erwirtschaften. "Den Download für den Musikkonsum sehen wir als ein auslaufendes Modell an", sagte Deloitte-Fachmann Böhm. Das liege auch daran, dass Smartphones, Tablets und Fernseher mit Internetverbindung immer weiter verbreitet seien.

"Die Internetfähigkeit der Geräte ist mittlerweile ein entscheidendes Kaufkriterium in der Unterhaltungselektronik", sagte Timm Hoffmann vom IT-Branchenverband Bitkom. Noch in diesem Jahr würden voraussichtlich 47 Millionen Bildschirmgeräte mit Internet-Anbindung verkauft. Die Flachbildfernseher hätten daran allerdings nur noch einen Umsatzanteil von 4,6 Prozent.


Die Zuschauer machten sich bei ihrem Medienkonsum immer unabhängiger vom linearen Fernsehen. Panasonic-Europachef Laurent Abadie erklärte gar das Zeitalter des klassischen Fernsehens für beendet. "Für mich ist das TV, so wie wir es aus dem letzten Jahrhundert kennen, tot", sagte der Manager des japanischen Elektronikkonzerns der dpa auf der IFA.

Film- und Musiksammlung wird bald überflüssig

"Die Menschen werden sich sicher auch weiterhin noch große Sportevents auf dem Fernseher anschauen", sagte Abadie. Aber sie nutzten zur gleichen Zeit Online-Netzwerke wie Twitter oder Facebook auf mobilen Geräten.

Auch nach Ansicht des Branchenverbands Bitkom entwickelt sich das Smartphone zum Universalgerät für die Nutzer. Umfragen zeigten, dass 78 Prozent der Spieler ihr Smartphone als Spieleplattform nutzen, sagte Hoffmann. 60 Prozent der Nutzer von E-Books lesen demnach elektronische Bücher auf dem Computer-Telefon.