Edinburgh (dpa) | Erstmals lag in einer YouGov-Umfrage am Sonntag die Nationalbewegung knapp vorn: 51 Prozent wollen sich demnach von Großbritannien lösen, 49 Prozent möchten die Union mit England, Wales und Nordirland beibehalten. Dabei sind die Befragten, die sich noch nicht entschieden haben, herausgerechnet. Die Umfrage veröffentlichte die britische "Times".

Die Schotten stimmen am 18. September darüber ab, ob sie unabhängig vom Vereinigten Königreich werden wollen. Sollte mehr als die Hälfte mit Ja stimmen, würde das Land im Frühjahr 2016 unabhängig. In einer weiteren Umfrage hatten die Abspaltungs-Gegner knapp die Nase vorn: 52 Prozent wollten zu Großbritannien gehören und 48 Prozent lieber eigenständig sein, wie das Institut Panelbase im Auftrag der Unabhängigkeits-Kampagne ermittelte.

"Wenn Leute nicht ganz sicher waren, ob sie zu Hause bleiben können, oder ob sie nicht losgehen und mit Nein stimmen müssen, um die Teilung zu verhindern, dann sind sie diese Zweifel heute los", sagte Großbritanniens Schatzkanzler George Osborne der BBC. Die Regierung versprach den Schotten deutlich mehr Kompetenzen, wenn sie in der Union blieben. Es würde gerade letzte Hand angelegt an einen Plan, der Edinburgh größere Eigenständigkeit etwa bei der Steuer- und Finanzpolitik zugestehe, sagte Osborne.

Premierminister David Cameron will sich der "Times" zufolge wenige Tage vor dem Referendum in einer Rede an die Schotten wenden. Er hat wiederholt gesagt, dass er im Falle einer Abspaltung nicht zurücktreten wolle. Der Zeitung zufolge macht sich auch die britische Königin Elizabeth II. inzwischen Sorgen über eine drohende Verfassungskrise und will täglich auf dem Laufenden gehalten werden. Offiziell ist der Palast allerdings neutral, die Zeitung beruft sich auf hochrangige Quellen. Die Queen verbringt den Sommer traditionell in ihrer schottischen Residenz Schloss Balmoral.

Schottlands Vize-Regierungschefin Nicola Sturgeon, Befürworterin der Unabhängigkeit, nannte die Umfragewerte "außerordentlich positiv und ermutigend". Gleichzeitig mahnte sie, dass nur das tatsächliche Ergebnis in eineinhalb Wochen zähle. "Also lasst uns unsere Anstrengung verdoppeln und konzentriert bleiben", forderte Sturgeon über Twitter auf. Sowohl die "Yes" Kampagne für die Unabhängigkeit als auch die "No"-Seite kündigten an, in den verbleibenden eineinhalb Wochen noch intensiver um Stimmen zu werben.