Magdeburg l Mit Handy am Ohr hatte Mimi im Hotel vis-à-vis vom Funkhaus eingecheckt. Die 22-Jährige und ihre Freundin waren am Sonnabend auf gut Glück aus Lübeck angereist - in der Hoffnung, am Telefon noch Tickets für das Konzert gegenüber zu gewinnen. "Als ich beim Sender durchkam, haben wir geschrien und sind herumgehüpft", erzählt der Fan mit den knallpinken Haaren.

Beim Konzert gestern Nachmittag geht es hingegen eher entspannt zu. Auf weißen Papphockern sitzen die 24 Gewinner in der Musikredaktion und schauen fasziniert nach vorn. Gitarrist Tom und Bassist Georg haben auf Barhockern Platz genommen, Gustav auf seiner Sitztrommel, nur Bill steht. Sein Outfit ähnelt dem, das er am Tag zuvor bei "Wetten, dass...?" in Erfurt trug: Netzhemd, Kette, Sonnenbrille. In Akustikversion präsentiert die Band drei Songs aus dem neuen Album "Kings of Suburbia" (Könige der Vorstadt) - im Gegensatz zu den Vorgängern eine sehr elektronische Platte. Zwischendurch gibt es mit "Automatic" noch etwas Altes.

Heulkrämpfe, wie man sie bei Tokio-Hotel-Fans noch vor Jahren häufig zu Gesicht bekam, bleiben aus. Schließlich sind die meisten so wie die Bandmitglieder jetzt selbst Mitte Zwanzig. Zum Singen und Klatschen sind sie aber nicht zu alt.

Nach dem Konzert darf sich jeder noch ein Autogramm holen und - für die Fans viel wichtiger - ein Selfie. Auch Mimi hat jetzt ein Bild von sich und den Kaulitz-Zwillingen Bill und Tom, und sie konnte allen eine Tüte mit Lübecker Marzipan in die Hand drücken. "Ich bin immer noch wie gebannt", sagt sie und grinst schüchtern.

Während Tokio Hotel im Funkhaus für Dutzende weiche Knie sorgen, warten draußen knapp 200 weitere Fans. Als das letzte Selfie geknipst ist, erhaschen auch sie noch etwas von ihren Idolen: einen Blick auf die Band, wie sie quietschvergnügt aus dem Fenster winkt.

Tokio Hotel wurden 2005 mit "Durch den Monsun" berühmt. Entdeckt hat man die Band bei einem Auftritt im Magdeburger Club Gröninger Bad, damals noch unter dem Namen Devilish. Die Vier landeten bisher mit allen drei Studioalben auf Platz eins der deutschen Charts, außerdem wurden sie in anderen europäischen Ländern und in den USA berühmt.

Bill und Tom Kaulitz sind im Bördedorf Loitsche aufgewachsen und leben seit 2010 in Los Angeles. Gustav Schäfer und Georg Listing wohnen nach wie vor in Magdeburg.

   

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