Berlin - Der Thüringer Linkenpolitiker Bodo Ramelow hat Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wegen ihrer Kritik an der geplanten rot-rot-grünen Koalition unter seiner Führung scharf kritisiert.

"Merkel war in der sozialistischen Jugendorganisation FDJ. Sie hat in der DDR-Diktatur mit all ihren Widerwärtigkeiten gelernt, so um den eckigen Tisch herumzukommen, dass man fast den Eindruck hat, es sei ein runder Tisch gewesen", sagte Ramelow dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". "Viele blaue Flecken scheint sie nicht gekriegt zu haben."

Bei einem erfolgreichen Abschluss der Koalitionsverhandlungen in Thüringen soll Ramelow am 5. Dezember zum ersten Ministerpräsidenten der Linken gewählt werden. Die CDU-Vorsitzende Merkel hatte der Linkspartei vorgeworfen, sie stelle zu wenig klar, dass die DDR ein Unrechtsstaat gewesen sei.

Ramelow forderte von seiner Partei eine entschlossenere Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit. Das habe man "zeitweise schleifen lassen", kritisierte der 58-Jährige. Er leugne nicht, dass die DDR als Unrechtsstaat bezeichnet werden könne. "Auf gut Deutsch: Jedes kleine oder größere Arschloch im DDR-Apparat konnte in das Leben der anderen eingreifen. Das war entsetzlich."

Persönlich wolle er sich für eine Aussöhnung zwischen seiner Partei und Opfern der SED-Diktatur einsetzen. "Dass mit meiner Kandidatur bei manchen Opfern eine Retraumatisierung eingesetzt hat, nehme ich sehr ernst", sagte Ramelow dem "Spiegel".