Berlin - Die deutschen Bischöfe haben sich gegen eine Vereinnahmung des Christentums durch die islamfeindliche "Pegida"-Bewegung verwahrt.

In ihren Weihnachtspredigten riefen sie zu Solidarität mit Flüchtlingen auf und verurteilten jede Form von Ausgrenzung. Der Bischof von Hildesheim, Norbert Trelle, nannte bizarr, wenn Menschen, die überwiegend keiner christlichen Gemeinschaft mehr angehörten, sich aufschwängen, das christliche Abendland zu retten. "Was ich bei den erwähnten Demonstrationen wahrnehme, hat mit Christentum wenig, einiges aber mit Gottlosigkeit zu tun."

Das Bündnis "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" ("Pegida") hatte am Montag in Dresden mehr als 17 000 Menschen mobilisiert. Angekündigt war ein gemeinsames Weihnachtssingen, tatsächlich aber wurden Beschimpfungen von Politikern ebenso bejubelt wie ausländerfeindliche Parolen.

Der Rottenburger Bischof Gebhard Fürst kritisierte, wer unter dem Vorwand, das christliche Abendland vor Überfremdung bewahren zu wollen, Flüchtlingen Hilfe verwehre, verrate christliche Werte, auf denen das Abendland gründe.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, nannte ausländerfeindliche Bedrohungsszenarien "unvereinbar mit dem christlichen Glauben". Im "Kölner Stadt-Anzeiger" verwies er auf die Weihnachtsgeschichte: "Das Kind in der Krippe hat nur überlebt, weil seine Eltern in Ägypten Asyl gefunden haben."

Der Widerstand gegen die "Pegida"-Bewegung wächst. Anfang der Woche waren bundesweit mehr als 20 000 Menschen auf die Straße gegangen, um für Toleranz und Weltoffenheit zu demonstrierten. Im Internet werden unter der Überschrift "Für ein buntes Deutschland" inzwischen Unterschriften gegen "Pegida" gesammelt. Wie der Organisator Karl Lempert aus Hannover auf der Plattform "change.org" schreibt, fanden sich in den ersten drei Tagen mehr als 30 000 Unterstützer.

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) warnte vor einer Verteufelung der "Pegida"-Bewegung. Zwar seien dort "einige Dumpfbacken" unterwegs. "Aber es nehmen auch Bürger teil, die sich einfach Sorgen um ihre Zukunft machen", sagte der CDU-Bundesvize der "Welt". Er wandte sich dagegen, die Demonstranten pauschal als Nazis zu beschimpfen, und rief dazu auf, das Gespräch zu suchen.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sieht in den Demonstrationen auch eine Folge von Fehlern der Politik. "Die Politik muss zuhören und argumentieren. (...) "Diejenigen aber, die als Partei wie die Alternative für Deutschland oder als Organisatoren von "Pegida" bewusst fremdenfeindliche Ressentiments schüren, die muss man wirklich bekämpfen", sagte er der "Rheinischen Post" (Mittwoch).

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, rief zur "Anerkennung des anderen und Respekt vor jedem Menschen" auf. Die Weihnachtsbotschaft mache deutlich: "Wir können nur gemeinsam leben und ein Gemeinwesen aufbauen, wenn wir uns auf Augenhöhe als Menschen begegnen, unabhängig von Herkunft, Religion und Geschichte."