Berlin - Mittlerweile hört es sich fast wie ein unumstößlicher Fakt an: Die Deutschen kriegen zu wenige Kinder. Dabei ist der Wunsch nach Familie wieder groß, wie eine aktuelle Umfrage zeigt.

Eine große Mehrheit der noch kinderlosen jungen Deutschen wünscht sich Nachwuchs. Wie eine Umfrage der Hamburger BAT-Stiftung für Zukunftsfragen ergab, möchten 83 Prozent der kinderlosen 18- bis 29-Jährigen gerne Nachkommen haben. "Man merkt, dass der Stellenwert der Kinder wieder relativ hoch ist bei der jungen Generation", sagte der wissenschaftliche Leiter der Stiftung, Ulrich Reinhardt.

Er gehe unter anderem deshalb davon aus, dass Frauen in Deutschland künftig wieder mehr Kinder bekommen werden. "Ich glaube, dass in Zukunft zwar nicht die Geburtenzahl steigen wird, aber die Geburtenquote", sagte Reinhardt. Die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau liegt seit Jahren bei etwa 1,4.

Auch über alle Altersklassen hinweg wünscht sich eine knappe Mehrheit von 53 Prozent der Kinderlosen ein Kind. Entscheidend für die positive Prognose sei allerdings der starke Wunsch bei den Menschen unter 30 Jahren, sagte Reinhardt. "Das sind natürlich diejenigen, die in erster Linie Kinder bekommen werden." Aber auch bei den Frauen im Alter zwischen 30 und 49 Jahren sei es noch jede zweite. Besonders ausgeprägt ist der Kinderwunsch demnach bei den Höhergebildeten (70 Prozent). Für die Umfrage wurden 2000 Personen ab 14 Jahren befragt.

Reinhardt interpretierte die Umfrageergebnisse als positives Signal. Ein Grund, keine Kinder zu bekommen, sei Angst - etwa die um die Karriere. Nach Ansicht des Zukunftswissenschaftlers fehlt es derzeit noch an einer umfassenden gesellschaftlichen Akzeptanz von Kindern - etwa, wenn eine Kindertagesstätte als lärmend empfunden wird. "Es ist nicht so sehr die ältere Generation, die momentan das Problem ist. Es ist eher die mittlere Generation, die Babyboomer- und Konsum-Generation, die sagt: Ich habe das ohne Kinder durchgezogen."

Dass die Deutschen wieder mehr über Familiengründung nachdenken, bestätigen auch andere Experten. "Der Kinderwunsch war vor gut zehn Jahren auf einem Tiefpunkt angekommen. Seitdem steigt er wieder", sagte Martin Bujard vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden. Für einen Anstieg der Geburtenrate spreche zudem, dass der Geburtenrückgang bei den Akademikerinnen gestoppt sei. "Dagegen spricht, dass Geburten tendenziell immer weiter aufgeschoben werden. Dadurch wird das Zeitfenster immer kleiner."