Paris (dpa) l Eigentlich sollte der Franzose Roger Baillon nach seinem Militärdienst den Hof seiner Eltern im Westen Frankreichs übernehmen. Doch der junge Mann hatte ganz andere Pläne. Den Militärdienst brach er frühzeitig ab und wurde Luftfahrtmechatroniker bei Air France. Als Kind seiner Zeit bewunderte er moderne Technik und vor allem die im frühen 20. Jahrhundert aufblühende Automobilindustrie: Baillon begann, Motorwagen zu sammeln.

Heute verdanken Oldtimer-Liebhaber dem 1995 gestorbenen Baillon eine zuvor völlig unbekannte Autosammlung, die es so wohl kein zweites Mal geben wird. Insgesamt 59 Modelle aus der Kollektion Baillon sollen heute für Millionen Euro den Besitzer wechseln. Die Erben wollen sich nach 50 Jahren Stillstand damit von einem Großteil der Sammlung trennen, nachdem auch Baillons Sohn 2014 gestorben war.

Gänzlich unerwartet waren insgesamt 100 Klassiker der Autogeschichte wieder aufgetaucht - völlig verstaubt und von Unkraut und Sträuchern bewachsen. Die Experten des Pariser Auktionshauses Artcurial konnten ihren Augen kaum trauen. "Was diese Entdeckung so einzigartig macht, ist die hohe Zahl an gut erhaltenen Originalmodellen", sagen sie.

Roger Baillons Vorliebe galt vor allem den französischen Luxusmarken aus den 1920er und 1930er Jahren: Delage, Delahaye, Talbot Lago und Voisin. Aber auch Modelle von Rolls-Royce, Bugatti, Maserati und Ferrari konnte er für seine Sammlung gewinnen. Ein besonderes Highlight: der Ferrari 250GT SWB California Spider, Baujahr 1961.

Dieses Cabriolet wurde überhaupt nur 37 Mal gebaut, was seinen Sammlerwert in die Höhe schießen lässt. Jede Fertigung wurde akribisch dokumentiert; dieses Modell jedoch galt als verschollen. Zu alledem soll der Wagen dem französischen Filmstar Alain Delon gehört haben und sich in einem außergewöhnlich guten Zustand befinden. Sein geschätzter Verkaufspreis liegt damit zwischen 9,5 und 12 Millionen Euro.

Als einer der wenigen seiner Zeit erkannte Sammler Baillon den historischen Wert der Fahrzeuge. Er war fest entschlossen, viele Modelle vor der Verschrottung zu bewahren. Und das zu einer Zeit, zu der das Sammeln ein eher ungewöhnliches Hobby war. Der Vordenker träumte von einem eigenen Automuseum, das es so allerdings nie geben sollte. Seine Nachfahren können sich heute über ein Millionenerbe freuen.

Schon immer war Roger Baillon leidenschaftlicher Bastler. Mit aufpolierten Lastwagen stieg er erfolgreich in die internationale Transportbranche ein und machte sich schließlich als Karosseriebauer auf der Pariser Automobilmesse einen Namen.

Dank dieser Leidenschaft bietet die Kollektion Baillon heute eine beeindruckende Reise durch die Entwicklungsgeschichte des Autos. Von den frühen Anfängen der Produktion bis zu den 1970er Jahren. Aus dem Jahr 1914 etwa ist ein Delahaye-Coupé mit Chauffeur-Kabine zu ersteigern. Ein weiterer Höhepunkt der Auktion ist der Maserati Gran Sport Frua von 1956. Er wird auf eine Million Euro geschätzt.

Mehr Bilder unter: www.volksstimme.de/rostige-oldtimer

   

Bilder

Unter Unkraut und Sträuchern

Bugatti, Hispano-Suiza, Delahaye, Maserati, Ferrari - diese Namen lassen das Herz vieler Autoliebhaber höher schlagen. Knapp 60 zum Teil äußerst seltene Modelle aus den 1930er bis 1970er Jahren schlummerten jahrzehntelang auf einem Privatgrundstück in Frankreich vor sich hin.

  • Roger Baillons Schätze der Autogeschichte standen jahrzahntelang in einer Lagerhalle.

    Roger Baillons Schätze der Autogeschichte standen jahrzahntelang in einer Lagerhalle.
    Quelle: dpa

  • Ein 3 Delahaye GFA 148 L und ein Talbot Lago Baby Cabriolet von Guillore aus der Baillon-Sammlung. Foto: dpa

    Ein 3 Delahaye GFA 148 L und ein Talbot Lago Baby Cabriolet von Guillore aus der Baillon-Samml...

  • Ein potentieller Käufer betrachtet einen Sandford Typ S Cyclecar. Foto: dpa

    Ein potentieller Käufer betrachtet einen Sandford Typ S Cyclecar. Foto: dpa

  • Ein Maserati A6G 2000 Gran Sport Berlinetta Frua. Foto: AFP

    Ein Maserati A6G 2000 Gran Sport Berlinetta Frua. Foto: AFP

  • Ein potentieller Käufer betrachtet einen Sandford Typ S Cyclecar. Foto: dpa

    Ein potentieller Käufer betrachtet einen Sandford Typ S Cyclecar. Foto: dpa

  • Ein Citroen Typ C 5 HP Torpedo

    Ein Citroen Typ C 5 HP Torpedo "Clover" aus der Sammlung Baillons. Foto: dpa

  • Ein Hispano Suiza H6B Cabriolet. Foto: AFP

    Ein Hispano Suiza H6B Cabriolet. Foto: AFP

  • Ein Talbot Lago T26 Grand Sport SWB Saoutchik. Foto: AFP

    Ein Talbot Lago T26 Grand Sport SWB Saoutchik. Foto: AFP

  • Roger Baillons Schätze der Autogeschichte standen jahrzahntelang in einer Lagerhalle. Foto: dpa

    Roger Baillons Schätze der Autogeschichte standen jahrzahntelang in einer Lagerhalle. Foto: dp...

  • Zu den Highlights gehört dieser Ferrari 250 GT SWB California Spider von 1961. Foto: dpa

    Zu den Highlights gehört dieser Ferrari 250 GT SWB California Spider von 1961. Foto: dpa

  • Ein Talbot Lago T26 Grand Sport SWB Saoutchik aus der Sammlung Baillons. Foto: dpa

    Ein Talbot Lago T26 Grand Sport SWB Saoutchik aus der Sammlung Baillons. Foto: dpa

  • Ein Delahaye 135 M Cabriolet Faget-Varnet aus der Sammlung von Baillon. Foto: dpa

    Ein Delahaye 135 M Cabriolet Faget-Varnet aus der Sammlung von Baillon. Foto: dpa

  • Ein Ferrari 250 GT SWB California Spider aus der Sammlung Baillons. Foto: dpa

    Ein Ferrari 250 GT SWB California Spider aus der Sammlung Baillons. Foto: dpa

  • Manche der zu versteigernden Fahrzeuge von Baillon sind teils noch efeu-berankt. Foto: dpa

    Manche der zu versteigernden Fahrzeuge von Baillon sind teils noch efeu-berankt. Foto: dpa

  • Ein Delahaye 235 coach Chapron aus der Baillon-Sammlung. Foto: dpa

    Ein Delahaye 235 coach Chapron aus der Baillon-Sammlung. Foto: dpa

  • Ein Delahaye-Coupé mit Chauffeur-Kabine (v.l.), ein Delaunay Belleville Typ VL 8 Limousine und ein Renault 12CV Type EU Torpedo aus der Baillon-Sammlung. Foto: dpa

    Ein Delahaye-Coupé mit Chauffeur-Kabine (v.l.), ein Delaunay Belleville Typ VL 8 Limousine und...