Magdeburg l "Was war zuerst da: die Henne oder das Ei?". Eine Frage, die sich auf die Elektromobilität übertragen lässt. Was war zuerst da: das Elektroauto oder die Ladestation?

Bisher verhaken sich die Interessen von Automobilherstellern und Energiewirtschaft in diesem "Henne-Ei-Problem". "Wir verkaufen weniger Elektroautos, solange es nicht genügend Ladesäulen gibt, sagen die einen. Für uns lohnt es sich nicht, Ladesäulen aufzustellen, solange nicht mehr Elektroautos unterwegs sind, entgegnen die anderen", erklärt Przyemyslaw Komarnicki, der am Fraunhofer Institut in Magdeburg Forschungsprojekte zum Thema Elektromobilität leitet.

In Halle werden 17 neue Ladesäulen aufgestellt

In Sachsen-Anhalt besteht Nachholbedarf. An Hennen und Eiern, wenn man so will. Derzeit sind etwa 100 Elektrofahrzeuge auf den Straßen im Land unterwegs. Bei 1,4 Millionen gemeldeten Kraftfahrzeugen ist das ein verschwindend geringer Anteil. Etwa 25 bis 30 Säulen mit 70 bis 80 Ladepunkten sind in Sachsen-Anhalt aufgestellt.

Wenigstens die Sache mit der Infrastruktur will das Land in diesem Jahr angehen. Geplant sei, 17 neue Säulen mit mehr als 30 Ladepunkten in Halle aufzustellen, sagt ein Sprecher des Verkehrsministeriums. Sie werden im Rahmen des Bundesforschungsprojekts "Elektromobilität Mitteldeutschland - Grüne Mobilitätskette" gefördert. Das Ministerium sieht für das weitere Fortkommen der Elektromobilität vor allem private Unternehmen der Energie- und Verkehrswirtschaft in der Verantwortung. Das Land beabsichtige, entsprechende Initiativen zum Ausbau von Ladeinfrastruktur mit öffentlichen Geldern zu unterstützten, heißt es aus dem Verkehrsministerium.

"Wir sehen in ihrer Kombination mit dem ÖPNV, den erneuerbaren Energien, modernen Informations- und Kommunikationstechnologien sowie dem Bau und der Stadtentwicklung das Potenzial für energieeffiziente und emissionsarme Städte in Sachsen-Anhalt", erklärt Minister Thomas Webel (CDU).

Für den Energieversorger der Landeshauptstadt, die Städtischen Werke Magdeburg (SWM), ist ein Geschäftsmodell im Bereich Elektromobilität derzeit nicht darstellbar. Nur 15 Kunden nutzen die zwei Säulen der SWM. Die Aufbau-Investition beläuft sich auf 6500 Euro pro Säule, hinzu kommen 2400 Euro für den Stromanschluss, rechnet Unternehmenssprecherin Anja Keßler-Wölfer vor. Die Wartungskosten betragen jährlich etwa 130 Euro.

Pizza-Hut liefert mit Elektrofahrzeugen

Die Städtischen Werke bezeichnen das Geschäft mit der Elektromobilität als "eine interessante, jedoch bedeutungslose exotische Nische". Es brauche einen drastischen Entwicklungssprung. Wenn der gemacht ist, kann sich der Versorger vorstellen, mit der Bereitstellung von Ladeinfrastruktur und Fahrzeugen sowie mit der Bewirtschaftung von Fahrzeugflotten, Geld zu verdienen. "Mittelfristig werden sich alternative Mobilitätskonzepte herausbilden, die die Vorzüge der Elektromobilität besser nutzbar machen", so Keßler-Wölfer.

Das Fraunhofer Institut in Magdeburg hat derzeit zehn Elektroautos im hauseigenen Fuhrpark. Die Mitarbeiter legen damit vor allem Kurzstrecken zurück. "Die Autos stehen teilweise acht Stunden am Tag in der Garage", sagt Przyemyslaw Komarnicki. Er regt an, die Fahrzeuge für das Netz nutzbar zu machen. Etwa als Energiespeicher. So könne sich künftig die Anschaffung eines E-Autos rechnen, auch wenn wenig gefahren wird.

Für Lieferdienste lohnen sich Elektroautos bereits heute. Die Pizza-Hut-Filiale am Magdeburger Hauptbahnhof braucht Strom nicht länger nur zum Heizen der Backöfen. Bereits seit mehr als zwei Jahren fahren die 13 Fahrer die Pizzen mit zwei batteriebetriebenen Renault Twizy aus. Die Anschaffungskosten von rund 8000 Euro pro Auto haben sich gerechnet. "Monatlich sparen wir uns 500 Euro Tankkosten", erklärt Restaurantleiterin Juliane Busse. Der Twizy schluckt auf hundert Kilometer lediglich 1,50 Euro Stromkosten. Busse ist zufrieden: "Wir denken darüber nach, weitere Lieferfahrzeuge mit Elektroantrieb anzuschaffen."

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