Berlin - Bundesagrarminister Christian Schmidt will das geplante Verbot EU-weit zugelassener Genpflanzen nicht auf Bundes-, sondern auf Länderebene umsetzen.

Von den Ländern seien die EU-rechtlich vorgesehenen Voraussetzungen am besten rechtssicher zu erfüllen, sagte der CSU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. "Das Verbot soll nicht nur auf dem Papier stehen, sondern auch einer gerichtlichen Überprüfung standhalten."

Kritik an dem Konzept äußerte Baden-Württembergs Verbraucherminister Alexander Bonde (Grüne): "Wenn der Bund sich einer deutschlandweiten Lösung verweigert, riskiert er einen Flickenteppich an Regelungen und setzt auf maximale Bürokratie." Zugleich warf er dem Minister vor, vor Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) "einzuknicken", die seit Jahren "einen klaren pro-Gentechnik-Kurs" fahre.

Die EU-Staaten sollen nach einer Grundsatzeinigung mehr Spielraum bekommen, den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen trotz europaweiter Zulassung auf ihrem Gebiet per Ausstiegsklausel zu verbieten. Das Gesetz zur Umsetzung in Deutschland soll voraussichtlich im Herbst in Kraft treten.

Schmidt sagte, es solle ein bundeseinheitlicher Rechtsrahmen eröffnet werden, um den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen mittel- und langfristig flächendeckend untersagen zu können. Der Entwurf für eine entsprechende Änderung des Gentechnikgesetzes soll nun innerhalb der Bundesregierung abgestimmt werden. Geschaffen werden soll eine Basis, auf der Landesregierungen oder andere Behörden Anbauverbote erlassen können.

Zu beachten seien dabei Grundrechte wie der Schutz des Eigentums und die Freiheit der Berufsausübung, erläuterte das Ministerium. Hierbei könnten die Länder für ihr Gebiet auf andere Kriterien verweisen als der Bund für ganz Deutschland: etwa eine kleinstrukturierte Landwirtschaft oder Belange der Raumordnung. Das Ministerium geht davon aus, dass die meisten Länder die Verbotsmöglichkeit nutzen werden.