Chronologie:
März 2011: Eine Demonstration in Damaskus setzt eine Protestwelle gegen das Regime von Präsident Assad in Gang. Die Proteste werden blutig niedergeschlagen.
Oktober 2011: Russland und China verhindern eine UN-Resolution zur Verurteilung des Assad-Regimes und blockieren weitere Resolutionen.
Juni 2012: Die UN-Vetomächte und mehrere Nahost-Staaten einigen sich auf einen Fahrplan für einen Übergangsprozess in Syrien. Die geplante Übergangsregierung wird nicht gebildet.
August 2013: Mehr als 1400 Menschen sterben durch Chemiewaffen. Die USA machen das Regime verantwortlich, Assad weist das zurück.
September 2013: Eine Resolution des UN-Sicherheitsrates fordert Damaskus zur Vernichtung seiner Chemiewaffen auf. Syrien tritt der internationalen Chemiewaffen-Konvention bei und beginnt mit der Zerstörung.
Januar/Februar 2014: Friedensverhandlungen der Kriegsgegner in der Schweiz bleiben ohne Ergebnis.
September 2014: Die USA und arabische Verbündete bombardieren erstmals Stellungen der IS-Terrormiliz im Nordosten Syriens.
Januar 2015: Kurden befreien die nordsyrische Stadt Kobane von IS-Kämpfern.

New York/Genf/Berlin (dpa) l Angesichts der desolaten humanitären Lage in Syrien nach vier Jahren Bürgerkrieg haben Hilfsorganisationen dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen völliges Versagen vorgeworfen. Keine der UN-Resolutionen habe etwas bewirkt.

Den Vereinten Nationen sei es nicht gelungen, die Menschen in dem Land zu schützen, heißt es in dem am Donnerstag veröffentlichten Bericht "Failing Syria" (Versagen in Syrien) zum vierten Jahrestag des Beginns des Aufstands gegen Präsident Baschar al-Assad am 15. März 2011.

2014 hätten die Syrer das blutigste Jahr des Konflikts erlebt, heißt es in dem Bericht der 21 Organisationen, darunter Oxfam, World Vision, Pax Christi International, Save the Children und Handicap International. Allein im vergangenen Jahr seien 76 000 Menschen getötet worden, mehr als ein Drittel der Toten der vierjährigen Gewalt. Seit 2011 kamen insgesamt 220 000 Menschen ums Leben.

Die Zahl der kaum zu erreichenden Hilfebedürftigen habe sich innerhalb eines Jahres auf 4,8 Millionen mehr als verdoppelt. 5,6 Millionen Kinder seien auf Hilfe von außen angewiesen, fast ein Drittel mehr als im Vorjahr.

"Die bittere Realität ist, dass der UN-Sicherheitsrat die UN-Resolutionen nicht umgesetzt hat", sagte Kathrin Wieland von Save the Children. "Das vergangene Jahr war das dunkelste seit Ausbruch dieses fürchterlichen Krieges."

Auch buchstäblich versinkt Syrien zunehmend in Finsternis, wie Satellitenbilder seit 2011 zeigen. Mittlerweile liegen nachts 83 Prozent des Landes im Dunkeln. In den am schlimmsten betroffenen Gebieten wie Aleppo sind 97 Prozent der Beleuchtung erloschen. "Die seit vier Jahren andauernde Gewalt hat die Infrastruktur in weiten Teilen des Landes zerstört und die Stromversorgung drastisch reduziert", erklärte der Generalsekretär von Care Deutschland-Luxemburg, Karl-Otto Zentel.

"Diese schlimmste humanitäre Krise unserer Zeit sollte eigentlich große globale Unterstützung auslösen, stattdessen geht die Hilfe weiter zurück", klagte der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, António Guterres. Weil keine politische Lösung in Sicht sei, gebe es für die 3,9 Millionen syrischen Flüchtlinge in der Türkei, im Libanon, in Jordanien, im Irak und in Ägypten keine Aussicht auf eine Rückkehr in ihre Heimat. Weitere 4,8 Millionen seien Vertriebene im eigenen Land - mehr als 212 000 von ihnen in belagerten Kampfzonen.

Für immer mehr Kinder wird der Krieg in Syrien zum bitteren Überlebenskampf. Nach Schätzungen des UN-Kinderhilfswerkes (Unicef) sind rund 14 Millionen Kinder und Jugendliche in der Region direkt oder indirekt von dem Konflikt betroffen. "Unsere Prioritäten sind sauberes Wasser, Schulbildung und Hilfe für traumatisierte Kinder", sagte die Leiterin von Unicef in Syrien, Hanaa Singer.

Die Hilfsappelle von Unicef fänden aber kaum noch Resonanz. "Wir schätzen, dass wir in diesem Jahr 297 Millionen US-Dollar (rund 280 Mio. Euro) für unsere Operationen in Syrien brauchen werden, davon sind bisher erst drei Prozent eingegangen", sagte Singer der Deutschen Presse-Agentur. Für die Einsätze in der Konfliktregion veranschlagt Unicef dieses Jahr 903,5 Millionen Dollar.

Schon 2013 waren die Hilfen der Vereinten Nationen nur zu 71 Prozent finanziert, 2014 seien es nur noch 57 Prozent gewesen. Meinung

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