Magdeburg l Etwas Angst oder Unbehagen vorm Zahnarzt ist normal, meint Dr. Frank Dreihaupt, Präsident der Zahnärztekammer Sachsen-Anhalt. Er weiß, dass viele Patienten mit einem "flauen Gefühl" im Magen in die Praxis kommen - ob nur zur Kontrollvisite oder zur Behandlung. Aber bei Millionen Menschen ist die Angst vor dem Zahnarzt so groß, dass sie ihn über Jahre hinweg meiden. Dabei ist es weniger der Zahnarzt als Person, vor dem sie sich fürchten, sondern die Geräusche und Gerüche in der Praxis, die Instrumente - zum Beispiel die Spritze.

Studien zufolge leiden in Industrieländern fünf bis 15 Prozent an pathologisch hoher Zahnbehandlungsangst, die Patienten selbst starke Schmerzen im Mund oder einen schlechten Zustand ihrer Zähne ertragen lässt. Viele Phobiker schämen sich wegen ihrer Angst und deren im Mund sichtbarer Folgen und haben dadurch eine deutlich eingeschränkte Lebensqualität.

Ihnen kann geholfen werden, versichert Frank Dreihaupt. Die Zahnärzteschaft des Landes hat sich in diesem Jahr mit den Psychotherapeuten verbündet und informiert bei einer Beratungswoche zur Zahn- und Mundgesundheit vom 23. bis 27. März landesweit in Praxen, bei Foren und in den Medien unter dem Motto "Zahnfit trotz Angst - wie geht das?".

Ein erster Schritt dahin ist ein ausführliches Gespräch zwischen Patient und Zahnarzt. Ihm sollte der "Angsthase" offen von seinen Ängsten berichten und sich den Befund, die Konsequenzen, Möglichkeiten und Kosten einer Therapie genau erklären lassen - bevor es überhaupt losgeht. Vereinbaren Sie mit dem Zahnarzt, dass er Ihnen während der Behandlung jeden einzelnen Schritt ankündigt, was Sie spüren werden und auch ein Stoppsignal, empfiehlt der Magdeburger Zahnarzt Dr. Carsten Hünecke. "Dann fühlen sich manche Patienten nicht so ausgeliefert, es kommt nicht zu Überraschungsschmerzen, die oft als besonders heftig empfunden werden." So zittern viele Angstpatienten vor der "Spritze", die ihnen doch aber eine weitgehend schmerzfreie Behandlung bringt. Doch es ist nicht die Spritze, sondern der Einstich, den sie fürchten. Ist er aber kurz vor dem Pieks angekündigt, verringert sich die Schmerzempfindung des Patienten, weiß Hünecke.

Manche Zahnärzte bieten als Alternative zur Lokalanästhesie Akupunktur zur Schmerzausschaltung an. Oder sie versetzen den Patienten in Trance. Während einer zahnärztlichen Hypnose befindet er sich mental an einem schönen ruhigen Ort seiner Wahl, während seine Zähne behandelt werden, berichtet Dreihaupt. Der rationale Teil des Gehirns ist währenddessen völlig abgeschaltet, alle unangenehmen Empfindungen werden einfach ausgeblendet. In diesem Zustand zwischen Wachen und Schlafen kann er sich darauf verlassen, dass in seinem Mund nur geschieht, was vorher bei vollem Bewusstsein vereinbart wurde.

"Niemals darf der Patient das Gefühl haben, dass während der Hypnose etwas gegen seinen Willen geschieht, ein anderer Macht über ihn hat", so Dreihaupt. In seiner Praxis in Tangerhütte nimmt er die Hypnosesitzungen auf Wunsch des Patienten auch mit der Kamera auf, damit dieser später das Geschehen nachverfolgen kann. Wer bei enormer Zahnarztangst aber eine Vollnarkose wünscht, sollte die damit verbundenen Risiken genau abwägen, rät Dreihaupt. Und die Angst wird dadurch nicht geringer, sie bleibt im Bewusstsein.

Die Phobie, also die krankhafte Angst verbunden mit dem übermäßigen Wunsch, ihren Anlass zu vermeiden, als psychische Erkrankung kann nur psychotherapeutisch gebessert oder geheilt werden, meint Psychologin Pavlina Näser. Häufig seien nur kleine Interventionen nötig, wie mentale Fokussierung oder einfache Ablenkungsstrategien durch Autogenes Training, die eine Behandlung beim Zahnarzt entspannter erleben lassen. Schon eine nur wenige Stunden dauernde Kurzzeittherapie ist bei den meisten Angstpatienten erfolgreich.

Zum Thema gibt es einen Vortrag am 25. März ab 14.30 Uhr in der Zahnärztekammer Sachsen-Anhalt, Große Diesdorfer Straße 162, in Magdeburg.