Magdeburg l Es ist eine ganz besondere Beziehung zwischen Magdeburg und den Prinzen, und das betonen die Sänger auch gern. Es zeigt sich immer wieder bei Konzerten wie am Freitag. Mit dem ersten Ton begann der Jubel, noch bevor das erste Wort gesungen war. Die Klänge von "Der Mond ist aufgegangen" genügten, gefolgt vom "Mann im Mond", einem der Prinzen-Hits, einem von vielen. Derer folgten an diesem Abend so einige: "Mein Fahrrad", "Alles mit´m Mund", "Küssen verboten", "Du musst ein Schwein sein", "Vergammelte Speisen" und auch so Ulk-Nummern wie "Sulaiman" und "Hasso".

Immer wieder brillierend im Satzgesang, ebenso wie mit dominierenden Stimmen von Sebastian Krumbiegel und Tobias Künzel. Zu den Höhepunkten gehörte zudem das Solo von Jens Sembdner "Wo bin ich, wenn ich schlafe". Selbst wer die Lieder längere Zeit nicht hörte, hat wie aus dem Nichts die Texte wieder abrufbar ... So eindringlich sind sie, so mit einem guten Gefühl verbunden, dass man sie weder vergessen kann noch möchte. Dabei haben einige schon ziemlich viele Jahre hinter sich.

Die Prinzen aus Leipzig haben fast Silberhochzeit miteinander. Zählt man ihre Anfangsjahre als Herzbuben hinzu, ist dieser "Zenit" sogar schon überschritten. Wobei sich dieses Wort weder auf die gesanglichen Leistungen noch auf die Bühnenpräsenz bezieht - da zeigten sich die Herren Krumbiegel, Künzel, Sembdner, Schmidt und Lenk alterslos. Sie alberten bei ihrem Auftritt, sie wirkten wieder wie die Jungs von damals, als sei die Zeit stehen geblieben. Kaum zu glauben, dass sie auf die 50 zugehen (zwei haben es schon geschafft, die nächsten ziehen 2016 nach).

Und die Fans im Saal jubeln und kreischen wie Teenies, eine Geräuschkulisse, die bei angehendem Licht ein wenig im Widerspruch scheint zu den älteren Herrschaften im Publikum. Doch natürlich, die Fans sind mitgewachsen, gereift, haben Familie - und nicht selten sind die Kinder ebenso Fans geworden. Drei Generationen waren im Publikum zu entdecken, gleichermaßen mitfiebernd, singend, klatschend. Ein paar tanzten am Seitengang, viele andere bewegten sich rhythmisch auf den Sitzen, die Hände hoch über den Köpfen wiegend wie im Wellenmeer.

Ein Bergfest mit einem Dank an die Fans
Die Prinzen 2015 sind als seriöse Anzugträger ebenso glaubhaft wie als singende "Diskokugeln", sphärisch blaue Lichtstrahlen durch den Saal sendend. Sie selbst bezeichnen ihren gegenwärtigen Stand als Bergfest, nach einer Zeit mit "vielen Höhen und Tiefen, wir haben alle erlebt". Und sie danken wahrhaft adelig ihren Fans: "Danke, dass es Menschen wie euch gibt, die schon so lange zu uns halten."

Die Erinnerungen gingen zurück in die Anfangsjahre, als aus den Herzbuben die Prinzen wurden, die 1991 mit "Gabi und Klaus" den ersten Hit landeten. Nach all der Zeit blickte die einstige A-cappella-Gruppe zurück auch zu diesem erfolgreich besungenen Paar und verriet, was aus den beiden geworden ist: 40, geschieden, wieder auf der Suche ... finden sie erneut zueinander, Gabi und Klaus.

Bei den anderen Liedern hielten sich die Sänger mehr am Original, mal etwas rockiger, mal in anderer Tonlage, mal mit stimmlichen Variationen wie beim "Typ da neben dir".

Bei allen guten Texten und kritischen Liedern wie "Das alles ist Deutschland" oder der "Bombe" überwiegt die gute Laune. Und diese Band ist wohl die einzige, die ungestraft uhuhuu und ahahaa singen darf, ohne in die Kitschecke geschoben zu werden.

Neben Bekanntem gab es auch Neues: Mit "Er steht im Regen" gaben sie einen Ausblick auf die nächste CD-Veröffentlichung. "Familienalbum" soll sie heißen und im Mai erscheinen.

Dennoch ließ das Publikum die Band nur schweren Herzens gehen, erklatschte sich Zugaben, jubelte lautstark mit Händen und Füßen, dass der Boden des Theatersaals bebte. Krönender Abschluss zweier wunderbarer Stunden, die wirkten wie die Wiedersehensfeier guter Freunde.