Leipzig (dpa) l Um das millionenfache Töten von männlichen Eintagsküken zu beenden, setzt Bundesagrarminister Christian Schmidt auf ein neues Verfahren zur Geschlechterbestimmung im Ei. Noch im Mai solle an der Universität Leipzig mit der Entwicklung für den praktischen Einsatz begonnen werden, sagte der CSU-Politiker am Montag bei einem Informationsbesuch in Leipzig. "Mein Ziel ist, dass wir bis 2017 kein Kükenschreddern mehr haben werden." Bisher kommen in Deutschland jedes Jahr Millionen Küken, die männlich sind und keine Eier legen, lebendig in einen Häcksler oder werden vergast.

Das Verfahren der Leipziger Wissenschaftler ermöglicht es, 72 Stunden nach dem Legen das Geschlecht des Embryos im Ei zu bestimmen. Nur die weiblichen Tiere könnten dann auch ausgebrütet werden. Bisher wird das Geschlecht erst nach dem Schlüpfen von Experten bestimmt und die männlichen Küken werden aussortiert.

Eine neue gesetzliche Regelung, damit die Bestimmung im Ei bei den Legehennenproduzenten auch eingesetzt wird, ist laut Schmidt nicht nötig. Sobald es ein Verfahren gebe, das das Töten der Küken überflüssig mache, greife das Tierschutzgesetz. Geplant sei, ab Mai mit der Entwicklung praxistauglicher Maschinen für die Großanwendung zu beginnen. Zeitgleich solle zum Jahresende mit der technischen Nutzung in Brütereien begonnen werden. Bis Ostern 2017 soll sie ohne Ausnahme eingesetzt werden. Dafür investierte das Ministerium nach eigenen Angaben bisher zwei Millionen Euro in das Forschungsprojekt.

Mehreren Bundesländern geht das nicht schnell genug. So kündigte Nordrhein-Westfalens Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) an, über den Bundesrat schnellstmöglich das Kükentöten zu verbieten. Er warf Bundesagrarminister Schmidt vor, sich hinter Absichtsbekundungen und Forschungsvorhaben zu verstecken. Auch sein niedersächsischer Amtskollege Christian Meyer (Grüne) kritisierte, mit reinen Forschungsaufträgen sei es bei diesem Thema nicht getan. Lob kommt von Geflügelproduzenten. Es sei wichtig, dass die Methode für die Tiere schonend sei, erklärte der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft.