Essen (AFP) l Nach heftiger Kritik der Umweltschutzorganisation Greenpeace will Aldi ab 2020 nur noch Textilien und Schuhen ohne giftige Chemikalien anbieten. Gemeinsam mit Greenpeace sei ein "umfangreicher Kriterienkatalog" für "anspruchsvolle ökologische Anforderungen" erarbeitet worden, teilten Aldi Nord und Aldi Süd am Dienstag mit. Die Organisation lobte den Schwenk "auf einen sauberen Kurs". Internationale Einzelhandelsriesen sollten sich anschließen.

Aldi erklärte, die Textil- und Schuhproduktion für seine Läden werde bis 2020 stufenweise so umgestellt, dass auf den "produktionstechnisch bedingten Eintrag bestimmter Chemikalien" verzichtet werde. Dies sei "ein langwieriger Prozess". Aldi Nord und Aldi Süd seien "auf das Mitwirken und die Unterstützung aller Beteiligten in der gesamten Produktions- und Lieferkette angewiesen".

Greenpeace erklärte, Aldi wolle Schadstoffe wie Alkylphenolethoxylate, deren Abbauprodukte hochgiftig für Wasserorganismen seien, bis Juni 2016 verbannen; per- und polyfluorierte Chemikalien, die das Immunsystem und die Fortpflanzung schädigen könnten, sollten bis Ende 2016 aus den Produkten verschwinden. Vier von fünf Aldi-Lieferanten sollten bis Ende März 2016 zudem ihre Abwasserdaten veröffentlichen, damit sich die Bevölkerung im Umfeld der Fabriken über Chemikalien im Abwasser informieren könne. Zudem werde der Discounter bis Ende Juni 2016 ein Programm für "nachhaltigen Konsum" auflegen.

Kampagne "Detox" soll Produktion entgiften
Aldi ist nach Angaben von Greenpeace der neuntgrößte deutsche Modehändler. Mit dem Textilgeschäft setzt der Discounter demnach jährlich 2,5 Milliarden Euro um. Das Unternehmen Aldi locke "mit billigsten Textilien Woche für Woche Kunden in die Läden", erklärte Greenpeace-Textilexpertin Kerstin Brodde. "Jetzt hat Aldi erkannt, dass diese Ware ohne giftige Chemie produziert sein muss."

In einem Greenpeace-Test von Kinderkleidung und Kinderschuhen auf gefährliche Chemikalien im vergangenen Herbst hatte Aldi schlecht abgeschnitten.

Die Umweltschutzorganisation bemüht sich seit 2011 mit der Kampagne "Detox" darum, dass Firmen bis 2020 Kleidung und Schuhe giftfrei produzieren. Die Aldi-Konkurrenten Lidl und Rewe/Penny haben bereits angekündigt, sie wollten ihre Produktion entgiften. Auch Tchibo verpflichtete sich. Mit dem Einstieg von Aldi "schwenken die Discounter auf einen sauberen Kurs um", lobte Greenpeace.

Der Chemieeinsatz in der Textilherstellung trifft nicht in erster Linie den Endkunden, sondern vor allem die Menschen in den Produktionsländern. Die Abwässer von Textilfabriken verunreinigen Gewässer weltweit. In China etwa sind laut Greenpeace zwei Drittel der Gewässer mit gefährlichen Chemikalien vergiftet, vor allem aus der Textilindustrie. Greenpeace-Expertin Brodde forderte weitere Firmen auf, den Chemieeinsatz zu beenden. "Weg vom Viel-und-billig-Schick - diese Haltung erwarten wir nun auch von den weltweit größten Einzelhändlern Wal-Mart, Carrefour und Tesco." Laut Greenpeace beteiligen sich auch 24 internationale Modeunternehmen und sechs italienische Zulieferer an der Aktion.

Aldi hatte sich kürzlich auch dazu verpflichtet, keine Artikel aus Echtpelz anzubieten. Zum anderen will Aldi Süd auf den Verkauf von Hummer, Stopfleber und Kaninchenfleisch verzichten.