Magdeburg l "Darüber habe ich mich sehr gefreut", sagte Möllring. Die Aktion sei ein voller Erfolg. "Wir haben Sachsen-Anhalt sehr originell als Wirtschaftsstandort beworben. So etwas bleibt bei den Chefs der Familienunternehmen im Gedächtnis. Es ist ja nicht selbstverständlich, dass Firmenchefs sich Zeit nehmen und persönlich auf eine solche Bewerbung antworten", erklärte der Minister.

Zehn Rückmeldungen haben das Ministerium bis heute erreicht. Die erhoffte Zusage zur Ansiedlung eines Unternehmens zwischen Altmark und Harz gab es zwar nicht. Die Idee der Bewerbung und das Land bekamen aber durchweg positive Rückmeldungen durch die Firmenchefs. Der Vorsitzende der Geschäftsführung des Reinigungstechnikers Kärcher aus Baden-Württemberg schrieb: "Es ist mir ein Bedürfnis zum Ausdruck zu bringen, wie werbewirksam und genial ich Ihre Bewerbung fand." Für neue Investitionen habe er nun Sachsen-Anhalt auf dem Schirm. Der geschäftsführende Gesellschafter des Schuhhändlers HR Group aus dem niedersächsischen Osnabrück schrieb: "Wir möchten betonen, dass wir von Ihrer innovativen Idee und Umsetzung einer solchen Standort-Bewerbung begeistert sind". Auch der Vorstand des Automobilzulieferers Borgers aus Nordrhein-Westfalen war angetan: "Ihr Schreiben hat viel positive Aufmerksamkeit erzeugt. Diese ging sogar so weit, dass ich die Unterlagen an meine Geschäftsführerkollegen weitergegeben habe."

Zulieferer hatte sich schon für Sachsen entschieden


Bei dem Automobilzuliefer- und Maschinenbauunternehmen Allgaier in Baden-Württemberg ging das Schreiben aus dem Ministerium vermutlich einige Monate zu spät ein. "Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass bereits eine Entscheidung zugunsten eines Standortes in Sachsen gefallen ist und die Vorbereitungen für die Errichtung unseres Werkes bereits in vollem Gange sind", schrieb die Assistentin der Geschäftsführung.

Ausgezeichnete Noten gab sich das Land als Standort für Firmen. Dass das Unternehmen auch schon ohne die Hilfe der klugen Marketingköpfe erkannt hatten, zeigte die Antwort des Gummiverarbeiters Kraiburg aus Bayern: "Wir haben unseren Firmenstandort bereits in Salzwedel. Sie schreiben, wir sollten uns kennenlernen. Ihr Angebot, Sie persönlich kennenzulernen, würden wir gerne annehmen. Besuchen Sie uns doch", schrieb der Geschäftsführer. Wirtschaftsminister Möllring hielt Wort und machte sich vom Standort in der Hansestadt Anfang Februar sein eigenes Bild.

Das Land Sachsen-Anhalt geht beim Werben um neue Investoren und Ansiedlungen von Unternehmen seit Jahren ungewöhnliche Wege. Guerilla-Marketing nennt das die Investitions- und Marketinggesellschaft des Landes. Vor acht Jahren verschickte das Land Rasenstücke an 300 Unternehmen der Logistikbranche - als Startkapital für eine spätere Investition im Land der Frühaufsteher. Die aktuelle Werbeaktion ging an führende deutsche Familienunternehen wie Fielmann, Fressnapf, Ritter Sport, Haribo, die Spiele-Schmiede Ravensburger oder den Staubsauger-Hersteller Vorwerk. Jedes der insgesamt 500 Anschreiben wurde von Wirtschaftsminister Möllring persönlich unterschrieben. Eine niedrige fünfstellige Summe hat die Marketing-Aktion das Land gekostet.

 

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