Ein Paar, das eine Familie gegründet hat, macht mit Blick auf die Rente finanziell ein Minusgeschäft. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung, die am Freitag erschien.

Die Autoren führen hierbei ein Fallbeispiel an: Hat das Paar bereits ein 13-jähriges Kind, dann wird das in seinem Leben statistisch betrachtet im Schnitt 77000 Euro mehr in die Rentenkasse einzahlen, als es selbst an Rente beziehen wird. Das Paar hat davon allerdings wenig. Obwohl es der Rentenkasse diesen Überschuss beschert, profitiert das Paar selbst davon kaum. Weder erhöht sich dadurch die eigene Rente, noch muss das Paar weniger Beiträge zahlen als Kinderlose. "Unser Rentensystem benachteiligt Familien - und damit ausgerechnet diejenigen, die das System am Leben erhalten", kritisierte Bertelsmann-Vorstand Jörg Dräger am Freitag. Er forderte die Politik auf, Familien stärker finanziell zu entlasten.

Denn laut Studie tragen Eltern während des Aufwachsens ihrer Kinder höhere Belastungen als Kinderlose, weil sie neben ihrem eigenen Lebensunterhalt auch noch für zwei weitere Generationen aufkommen müssen. Sie finanzieren über ihre Rentenbeiträge die Generation ihrer eigenen Eltern, und zusätzlich investieren sie Geld, Zeit und Energie in ihre Kinder. Oft mindern sich laut Studie Einkommen und Rentenansprüche der Eltern, weil beide häufig ihre Berufstätigkeit einschränken.

Die 8300 Euro hohe Mütterrente, mit denen das Rentensystem die Erziehungsleistung von Eltern honoriert, mache allerdings nur einen kleinen Teil der 77000 Euro aus, die es durch jedes Kind an Überschuss erhält. Ein zu kleiner Teil, wie die Autoren der Studie finden. Denn auch familienpolitische Maßnahmen wie die Erhöhung der Mütterrente sowie die staatlichen Bildungsangebote würden die Investitionen von Familien in Kinder nicht annähernd aufrechnen.

Die Wissenschaftler machen deshalb zwei Vorschläge, Familien finanziell besser zu stellen: Demnach könnten Kinderfreibeträge ins gesetzliche Rentensystem eingeführt werden, wie es sie im Steuersystem bereits gibt. Dadurch würden Eltern in der Familienphase weniger Beiträge in die Rentenversicherung einzahlen. Alternativ wäre die Einführung einer "Kinderrente" denkbar, bei der aus der Rentenkasse Förderungen für Kinder und Jugendliche bezahlt werden. Sie würde aber einen umfassenderen Umbau des Rentensystems voraussetzen.

Dirk von der Heide, Sprecher der Deutschen Rentenversicherung, bezeichnete die Ergebnisse und Forderungen der Studie gegenüber der Volksstimme jedoch als "unrealistische Gedankenspiele". Er kritisierte, die Zahlen der Wissenschaftler basierten lediglich auf Modellrechnungen, die reale Gegebenheiten aber nicht berücksichtigen. Nach bestehenden Regelungen gebe es für die Erziehung eines Kindes zusätzliche Rentenanwartschaften in Form einer Beitragszahlung von bis zu 34900 Euro.

SPD-Fraktionsvize Carola Reimann sagte dagegen der Volksstimme, "zweifellos müssen wir mehr für Familien tun. Ich sehe hier den Ansatzpunkt aber zunächst mal bei der Ganztagsbetreuung und bei guten Kitaplätzen. Hier werden wir in den nächsten Jahren mehr Geld in die Hand nehmen." Mit steuerfinanzierten Maßnahmen sei zudem mehr zu bewegen als über Umstellungen im Rentensystem.

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