Behandlung der Seuche kostet Millionen

Bislang wurden durch die Bundesregierung rund 17 Millionen Euro zur Ebola-Bekämpfung in Westafrika bereitgestellt. Die Behandlung der Krankheit ist sehr teuer: Für die fünfwöchige Heilung eines senegalesischen UN-Mitarbeiters wurden zwei Millionen Euro benötigt.

Tausende Deutsche haben sich freiwillig zur Hilfe vor Ort gemeldet. Laut Bundesärztekammer wurden davon 1600 Bewerber geprüft und 117 für geeignet befunden, davon 43 Ärzte. Gemessen am Schlüssel der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wären 1200 qualifizierte Helfer aus Deutschland nötig.

Das UN-Welternährungsprogramm (WFP) konnte bereits für mehr als 530.000 Menschen in Guinea, Liberia und Sierra Leone Ernährungshilfe leisten. Nahrungsmittel werden häufig von Haus zu Haus zu den Betroffenen gebracht, auch in den Quarantäne-Gebieten.

In nüchternem Ton reiht Ethel Davis furchtbare Zahlen aneinander: "In Liberia gibt es bisher 4249 Ebola-Infizierte und 2458 Tote durch die Krankheit. Darunter sind 96 medizinische Helfer. Die Weltgesundheitsorgansiation rechnet von Dezember an mit 5000 bis 10000 neuen Fällen pro Woche. Das Sterben geht schneller als im Bürgerkrieg." Der herrschte in dem Land im Westen Afrikas 14 Jahre lang: von 1989 bis 2003.

Seither war es aufwärts gegangen mit Wirtschaft und Gesellschaft. Die jährlichen stattlichen Wachstumsraten von um die fünf Prozent verhießen dauerhaften Frieden und Aufschwung. Doch das todbringende Virus, das im Februar vom Norden, von Guinea aus, nach Liberia getragen wurde, "droht alle Fortschritte zunichte zu machen", sagt Botschafterin Davis. Für 2015 werde mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung von zwölf Prozent gerechnet.

Die afrikanische Diplomatin spricht in einem Sitzungssaal des Bundestages in Berlin. Zum Ebola-Fachgepräch hat der iranischstämmige Linken-Abgeordnete Niema Movassat die Botschafterin und deutsche Experten ins Podium gebeten - mehr als 50 Interessenten füllen den Saal.

"Liberia kann dieser Lage nicht selbst Herr werden." - Liberias Botschafterin in Berlin, Ethel Davis

Was wird gegen die Seuche getan? "Das Gesundheitssystem ist durch den Bürgerkrieg noch immer leistungsschwach", sagt Davis. "Es gibt nur einen Arzt auf 100000 Menschen."

Sie berichtet von drei großen Ebola-Isolationszentren für die 4,3 Millionen Einwohner des Landes, die wegen Überlastung aber häufig Infizierte abweisen. Das "Epizentrum" der Krankheit sei die Hauptstadt Monrovia. Davis konstatiert: "Liberia kann dieser Lage nicht selbst Herr werden."

Das ist weltweit inzwischen begriffen worden. Nach Angaben der Diplomatin sind zudem gegenwärtig 560 US-Militärangehörige in Liberia im Anti-Ebola-Einsatz, auch deutsche Soldaten werden erwartet. "Wir brauchen mehr Isolationszentren für eine medizinische Versorgung in sauberer Umgebung", sagt die Botschafterin und setzt hinzu: "Es ist traurig, aber wahr: Wir brauchen auch mehr Leichensäcke."

Die Liberianerin beschreibt die schlimmen Konsequenzen für den Alltag in ihrer Heimat. Traditionell würden Kranke von den Verwandten zu Hause behandelt. Da Ersthelfer aber auch am stärksten ansteckungsgefährdet seien, würde den Menschen oft die Hilfe versagt. Sie machten sich allein auf den Weg zu den Gesundheitszentren und liefen Gefahr, einfach auf der Straße zusammenzubrechen. Es gebe eine wachsende Zahl von Waisen in Liberia. "Das ganze Leben ist auf den Kopf gestellt. Ebola ist eine antisoziale Krankheit, die die Familien spaltet", geißelt Botschafterin Ethel Davis die Ebola-Folgen.

Gerade aus dem Nachbarland Sierra Leone ist der Infektionsbiologe Dr. Denis Pineda, in Kuba geboren und in Bremen lebend, zurückgekehrt, wo er für "Ärzte ohne Grenzen" im Einsatz war. Nothilfe in Afrika ist für ihn nichts Neues, doch diese Epidemie habe alles in den Schatten gestellt. "Es war schlimmer als vor einigen Jahren bei der Cholera in Angola."

"Kein Interesse an der Forschung, weil die Kaufkraft fehlt." - Dr. Jens Holst, Plattform globale Gesundheit

Die Angst der Menschen paralysiert in den von Ebola betroffenen Staaten beinahe jede Tätigkeit. So wird auch nichts geerntet, was eine Hungersnot heraufbeschwört. Ethel Davis appelliert an die Öffentlichkeit: "Die Welt, die in den 1950er Jahren die Pocken ausgerottet hat, kann auch mit Ebola fertig werden." Doch Medikamente oder Impfstoffe gibt es nicht.

Man könnte schon viel weiter sein, doch handele es sich um eine "vernachlässigte Krankheit", erklärt Dr. Jens Holst vom Netzwerk "Plattform globale Gesundheit". Seine These: "Es gibt kein Interesse, diese Krankheit zu erforschen, weil keine Kaufkraft dahintersteckt."