Minsk/Kiew (dpa) l Bei ihrem ersten Treffen nach drei Monaten Pause hat die Kontaktgruppe im Ukraine-Konflikt einen Austausch aller Gefangenen vereinbart. "Wir hoffen, dass unsere Leute bis zum Jahresende wieder zu Hause sind", sagte der Sprecher der Militär- operation im Konfliktgebiet Donbass, Andrej Lyssenko, am Freitag in Kiew.

Die Separatisten in den selbst ernannten Volksrepubliken Donezk und Lugansk teilten mit, dass sie 150 ukrainische Sicherheitskräfte freilassen wollen. Im Gegenzug wollen die ukrainischen Behörden 225 Gefangene freilassen. Die Seiten hätten sich auf eine Gefangenen-Liste geeinigt, sagte der frühere ukrainische Präsident Leonid Kutschma als Vertreter Kiews in der Kontaktgruppe.

Die Runde, an der auch die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) beteiligt ist, hatte am Mittwoch fünf Stunden lang in der weißrussischen Hauptstadt Minsk getagt. Am nächsten Tag wurden die Gespräche per Videokonferenz fortgesetzt. Ein für Freitag geplantes neues Treffen platzte allerdings.

Die Konfliktparteien machten sich gegenseitig für das Scheitern der Gespräche verantwortlich. Solche Verhandlungen müssten echte Ergebnisse bringen, sagte Militärsprecher Lyssenko: "Das erste und wichtigste Ergebnis, auf das wir abzielen, ist eine vollständige Waffenruhe."

Separatistenführer Sachartschenko nannte die Verhandlungen schwierig. Die prorussischen Aufständischen hatten vor allem ein Ende der Wirtschaftsblockade durch die Ukraine erreichen wollen wegen der sich verschärfenden humanitären Lage im Donbass. Menschenrechtler sprechen von verheerenden Zuständen in dem Bürgerkriegsgebiet. Menschen leiden Hunger. Es mangelt außerdem an Wasser, Strom und Heizung. Seit Beginn der umstrittenen Anti-Terror-Operation der Regierung gegen die Separatisten starben mehr als 4600 Menschen, Hunderttausende sind auf der Flucht.

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