Von Tina Heinz

Seit nunmehr drei Wochen blickt die Welt gebannt auf Japan. Das Erdbeben, der Tsunami und die anschließende Reaktorkatastrophe in Fukushima haben nicht nur Solidaritätsbekundungen und Unterstützung nach sich gezogen, sondern auch eine globale Debatte über die Risiken von Atomkraftwerken ausgelöst.

Im Schatten dieser – vor allem in Deutschland angeheizten – Diskussion gab es in Nordkorea eine positive Entwicklung, die allerdings nicht überbewertet werden sollte. Fast unbemerkt verkündete die staatliche koreanische Nachrichten- agentur KCNA einige Tage nach dem Unglück in Japan, dass die Regierung unter Kim Jong Il bereit sei, über das umstrittene Urananreicherungsprogramm zu reden. Nach Aussagen eines Sprechers des Außenministeriums wolle die Volksrepublik sogar wieder in die Sechs-Nationen-Gespräche über die Fort- setzung seines Atomprogramms einsteigen.

Zwar ist diese Bereitschaft seitens Nordkorea als vernünftiger Schritt zu werten. Ereignisse in der Vergangenheit haben jedoch gezeigt, dass die ostasiatische Volksrepublik im Hinblick auf Zugeständnisse bei ihrer Atompolitik recht sprunghaft ist.

Ein nordkoreanisches Atomprogramm wird schon seit etwa 60 Jahren verfolgt, lange Zeit mit der Begründung, dass der sozialistische Staat auf diese Weise den ökonomischen Anschluss an den fortschrittlichen Westen nicht verpassen wolle. Als das Land 1993 – damals noch unter Führung Kim Il Sungs – aus dem Atomwaffensperrvertrag austrat und mit der Wiederaufarbeitung von Brennstäben begann, schrillten bei Japanern, Südkoreanern und US-Amerikanern die Alarmglocken.

Einer Krise konnte jedoch nach langwierigen Verhandlungen vorgebeugt werden. Nordkorea unterzeichnete 1994 nach Kim Il Sungs Tod – die Führung hatte inzwischen sein Sohn Kim Jong Il übernommen – das mit den USA ausgehandelte Genfer Rahmenabkommen. Der kommunistische Staat verpflichtete sich damit, sein Atomwaffenprogramm aufzugeben und aus dem Atomwaffensperrvertrag nicht auszutreten.

Es folgte ein Zick-Zack-Kurs, der sich bis heute fortsetzt. In die Karten schauen lässt sich die Führungsriege um Despot Kim Jong Il nicht, weshalb sich nur vage vermuten lässt, auf welchem Stand atomarer Aufrüstung sich das Land eigentlich befindet.

Zwar konnten die Nachbarstaaten Südkorea, China, Russland sowie Japan und die USA im Sechs-Nationen-Gespräch 2007 der Volksrepublik das Versprechen abringen, die kerntechnischen Anlagen abzuschalten und Inspekteure aus dem Ausland zur Kontrolle einreisen zu lassen. Im Gegenzug dafür erhielt das verarmte Land humanitäre Unterstützung sowie Energiehilfe in Form von Schweröl-Lieferungen.

Nordkorea hielt sich jedoch nicht an die Vereinbarungen und startete Atomwaffentests, was die empörten Vereinten Nationen auf den Schirm rief. Je mehr die Vereinten Nationen in der Folge mit Sanktionen gegen das Land drohten, desto häufiger drohte das kommunistische Regime mit Urananreicherung und weiteren Tests. Die Sechs-Nationen-Gespräche wurden von nordkoreanischer Seite 2009 endgültig abgebrochen.

Für großes Entsetzen sorgten im vergangenen November die Enthüllungen des US-Wissenschaftlers Siegfried Hecker. In Nordkorea habe er Einblicke in eine neue Anlage des Atomkomplexes Yongbyon erhalten, berichtete er der Zeitung New York Times. Nach Heckers Aussagen seien der moderne Standard und die Größe der Anlage verblüffend.

Was nach einer Reihe von Provokationen das nordkoreanische Regime nun dazu bewegt hat, wieder einzulenken und zumindest Gesprächsbereitschaft zu zeigen, bleibt rätselhaft. Die Katastrophe in Japan mag einen Teil zu diesem Schwenk beigetragen haben. Viel mehr wird sich das kommunistische Land jedoch aus ökonomischen Gründen wieder ein kleines Stück auf den Rest der Welt zubewegen müssen.