Von Marco Mierke

John Boehner spielt seit dem haushohen Sieg seiner Republikaner bei den Kongresswahlen in Washingtons politischer Liga ganz oben mit. Der neue Präsident im Abgeordnetenhaus macht den Eindruck, als habe er den Aufstieg mühelos geschafft – zu sehen ist er stets mit einem gesunden braunen Teint, feiner Kleidung und fast immer mit einer Zigarette in der Hand. Und wenn er nicht über Politik spricht, dann am liebsten über Golf.

Doch die Fassade täuscht: Boehner gilt in den USA als einer der fleißigsten und geradlinigsten Konservativen. Wenn er nun die Demokratin Nancy Pelosi an der Spitze des Kongresses ablöst, macht ihn das formal zum drittmächtigsten Mann im Staat nach US-Präsident Barack Obama und nach dessen Vize Joe Biden.

Der 61-Jährige aus Ohio ist seit fast zwei Jahrzehnten für die Republikaner im Repräsentantenhaus – und war 2006 auch schon deren Mehrheitsführer. Als die Demokraten im November 2006 die große Kongresskammer übernahmen, musste Boehner jedoch vergrämt eine Niederlage verbuchen. Jetzt bewundert man ihn in Washington für sein bemerkenswertes politisches Comeback.

Dass die Republikaner jetzt auch wegen Boehners Aufbauarbeit wieder etwas näher an der Macht sind, ist für den Politiker eine persönliche Genugtuung. Denn schon einmal war er ganz oben in der Parteispitze – um dann abgesägt zu werden. 1994 stieg er zum Adjutanten des schillernden Parlamentspräsidenten Newt Gingrich auf. Er gehörte damit zu den wichtigsten Protagonisten der Republikaner. Doch als Gingrich 1998 gehen musste, verlor auch Boehner den Rückhalt in der Partei.

Es dauerte lange, bis Boehner sich zurück ins republikanische Establishment gekämpft hatte. Es gelang ihm, sich als Spendensammler einen Namen zu machen – allein für den jetzt beendeten Wahlkampf holte er mehr als 36 Millionen Dollar (rund 26 Millionen Euro) in die Kasse. Geld, das ihm Türen in der Partei öffnete.

Boehner ist seit fast vierzig Jahren verheiratet. Zusammen mit seiner Frau Debbie hat er zwei Töchter. Vor seinem Gang in die Politik hatte er sich als Sohn eines Kneipenwirts im Arbeiterstadtteil von Cincinnati nach oben gearbeitet. Als Betreiber einer Verpackungsfirma verdiente Boehner Millionen.(dpa)