Z: Magdeburg ZS: MD PZ: Magdeburg PZS: MD Prio: höchste Priorität IssueDate: 23.03.2010 23:00:00
Von Christoph Trost

Ein Diplomat ist an Markus Söder wohl kaum verloren gegangen. Der bayerische Gesundheits- und Umweltminister ist kein Mann der leisen Töne, war es nie und wird es auf absehbare Zeit nicht werden. Als Generalsekretär einst berufsmäßig der Ober-Haudrauf der CSU, hat der Franke seinen Hang zu deutlichen Worten bis heute nicht abgelegt.

Söder nimmt kein Blatt vor den Mund und sagt, was er denkt. Ob er damit aneckt oder nicht, ist ihm egal. Und: Söder macht das, was er für richtig hält – und wann er es für richtig hält. Wie jetzt, bei der Vorlage seines neuen Gesundheits-Konzepts, ist ihm im Zweifel egal, ob er andere vor den Kopf stößt oder nicht.

Der 43-jährige Nürnberger ist redegewandt, er hat ein untrügliches Gespür für publikumswirksame Themen – und er ist ein Machtmensch, der, so berichten viele Christsoziale, extrem ehrgeizig ist. Ein Einzelkämpfer, dem es immer auch um die eigene Profilierung geht.

In seiner Partei hat Söder deshalb nicht den allerbesten Stand. Er wird nicht umschwärmt wie ein Karl-Theodor zu Guttenberg. Und dennoch ist Söder einer der Kronprinzen, wenn es eines Tages um die Nachfolge des amtierenden Partei- und Regierungschefs Horst Seehofer gehen wird.

Einmal Ministerpräsident in Bayern werden – dieses Ziel hat Söder, der auch schon Chef der bayerischen Jungen Union und Europaminister war, ohnehin stets vor Augen. Bereits 2008, nach dem CSU-Fiasko bei der bayerischen Landtagswahl und dem Aus für Regierungschef Günther Beckstein, galt Söder als ein möglicher Nachfolger – nahm sich aber damals selbst aus dem Rennen. "Für mich ist es jetzt zu früh", meinte er da vielsagend.

Söder hat mit der Gesundheitspolitik ein Politikfeld gefunden, auf dem er sich auf Bundesebene weiter profilieren kann. So zieht er quasi seit dem Start der schwarz-gelben Bundesregierung gegen eine Kopfpauschale im Gesundheitssystem zu Felde. 80 Prozent der Bevölkerung habe er dabei auf seiner Seite, erklärt er. Die im Bund eingesetzte Regierungskommission erklärt der Minister forsch für tot, bevor diese mit der Arbeit begonnen hat

Mit der Diplomatie ist es bei Söder eben nicht allzu weit her. Lediglich in seiner Zeit als Europaminister hatte er sich als eine Art bayerischer Außenminister versucht, war etwa in den Nahen Osten gereist und hatte insgesamt sanftere Töne angeschlagen als zuvor. Jetzt könne er "nicht mehr so auf den Tisch hauen", sagte Söder damals, im Jahr 2008, bei einem Aufenthalt in Jerusalem. Aber den "Dienst an der Front" habe er als CSU-General ja schon geleistet. Inzwischen aber hat Söder längst wieder auf Angriff geschaltet. (dpa)