Frankreichs Präsident François Hollande hat einen Befreiungsschlag versucht. Der mit dem Rücken zur Wand stehende Sozialist will die Unternehmen in Milliardenhöhe entlasten. Im Gegenzug sollen sich die Betriebe zur Schaffung von Arbeitsplätzen und zu Investitionen verpflichten. Hollande hat nach langem Zögern erkannt, dass sein unter hoher Arbeitslosigkeit leidendes Land dringend eine Neuausrichtung braucht, um wirtschaftliche Stärke wiederzugewinnen. Seine neue Botschaft lautet: mehr Markt weniger Versorgungsstaat; mehr Wettbewerb und Eigenverantwortung. Und zu Recht kommt auch der schwerfällige und teure Staatsapparat auf den Prüfstand.

Doch hat der bei den Franzosen sehr unbeliebte und oftmals zaudernde Hollande die Kraft und das Durchsetzungsvermögen für schmerzhafte Einschnitte? Die angebliche Liebesaffäre kommt für ihn zur Unzeit. Seine Amouren lenken vom Ernst der Lage ab. Frankreich braucht einen starken, reformfreudigen Präsidenten. Hollande muss erst noch beweisen, dass er ein solcher sein kann.