In der Kirche soll es anders zugehen als anderswo, das ist ihr eigener Anspruch. Leitung soll im "geschwisterlichen Gespräch" geschehen: So steht es in der Verfassung der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. Im Umgang mit dem Gustav-Adolf-Werk hat die Kirche diese Vorgabe klar verfehlt.

Dass sich evangelische Gemeinden zwischen Salzwedel und Sonneberg zu einer Landeskirche zusammengeschlossen haben, war sinnvoll. Es braucht nicht zwei große Kirchenverwaltungen für dieses Gebiet. Daraus folgt aber nicht, dass nun jede evangelische Organisation in diese Grenzen gepresst werden muss. Das Gustav-Adolf-Werk ist ein Verein, der Spenden sammelt und an Bedürftige weitergibt, etwa in Osteuropa. Welche Struktur ist für so ein Hilfswerk die beste? Die, die am meisten für die Bedürftigen leistet. Nur darum sollte es gehen, niemand muss die Fusions-Debatten von einst noch einmal führen. Alle Energie, die die Kirche in diesem Streit bindet, fehlt für wichtigere Aufgaben.