Dass der FC Bayern seine Spiele in der Bundesliga mehr oder weniger klar gewinnt, ist längst zur Gewohnheit geworden - am Sonnabend blieb der Rekordmeister so ganz nebenbei zum 50. Mal in Folge ohne Niederlage. Und doch war das 2:1 gegen Leverkusen etwas ganz Besonderes. Es war das Spiel eins nach Uli Hoeneß, der wegen Steuerhinterziehung zu einer Haftstrafe verurteilt worden war. Noch am Dienstag saß der 62-Jährige im Champions-League-Match gegen Arsenal London auf der Ehrentribüne, was ihm manche als Respektlosigkeit gegenüber dem Gericht ausgelegt hatten. Nun blieb sein Platz neben Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge leer.

Ein Bild, an das man sich erst noch gewöhnen muss. Der FC Bayern ohne Hoeneß - eigentlich unvorstellbar. Aber er hinterlässt nicht nur beim Verein eine Riesenlücke. Der gesamte deutsche Fußball hat eines seiner Alphatiere verloren. Der Verlust des unverwechselbaren "Calli" Calmund oder auch Rudi Assauer war seinerzeit schon immens, jetzt ist es noch gravierender. Uli Hoeneß war die Reizfigur schlechthin, er hat polarisiert wie kein Zweiter, hat Debatten angestoßen oder beendet, hat sogar Bundestrainer verhindert (Christoph Daum).

Zwar wird schon jetzt darüber spekuliert, dass Hoeneß bei guter Führung vorzeitig entlassen werden und dann ins Geschäft zurückkehren könnte, doch zunächst einmal muss das Gesicht des FC Bayern seine Haftstrafe antreten.

Und noch etwas: Sportlich wird sich vermutlich gar nichts ändern, wird der Siegeszug fortgesetzt und wird noch im März der 24. Meistertitel so früh feststehen wie noch nie.