In der Türkei lässt sich derzeit beobachten, was passiert, wenn ein anfangs erfolgreicher Regierungschef nicht zur rechten Zeit von der Macht ablässt, sich krampfhaft an sein Amt klammert und sein politisches Vermächtnis Stück für Stück zerstört.

Wäre Recep Tayyip Erdogan vor mehr als einem Jahr abgetreten, hätte ihn sein Volk immer als jenen verehrt, dem es gelungen ist, die Türkei wirtschaftlich voranzubringen und an die EU zu binden. Doch mit seinem wachsenden Hang zu Gier, Korruption und Vetternwirtschaft hat Erdogan nach und nach sein eigenes Lebenswerk schwer beschädigt. Mehr noch: Er wird zur Gefahr für das eigene Land, handelt er doch zunehmend wie ein Despot. Auf Demonstranten lässt er einprügeln, kritische Medien verstummen, Staatsanwälte versetzen.

Nach dem Grubenunglück mit unzähligen Toten hat er seinen Landsleuten nun gezeigt, was er auch noch ist: ein Despot ohne jegliches Mitgefühl.