Über die Einmischung in innere Angelegenheiten beschwerte sich Recep Tayyip Erdogan jüngst bei Joachim Gauck. Der Bundespräsident hatte beim Türkei-Besuch Kritik am dortigen Demokratieverständnis geübt. Nun kommt der türkische Premier nach Deutschland. Um das zehnjährige Bestehen einer türkischen Organisation zu feiern. Dazu hätte der Bankettsaal eines Kölner Hotels gereicht.

Erdogan zieht lieber in die Lanxess-Arena. Weil er vielleicht schon morgen Kandidat für die Präsidentschaftswahl im August ist. Da dürfen erstmals die Auslandstürken mitwählen. Unter seinen rund drei Millionen Landsleuten in Deutschland hat Erdogan eine breite Anhängerschaft - doch ebenso wie in der politisch gespaltenen Türkei viele Gegner.

Beide Lager treffen in Köln-Deutz aufeinander. Wer trägt die Verantwortung, wenn es kracht wie im Gezi-Park von Istanbul? Man muss der Würde eines Staatsmannes gerecht werden, hatte Erdogan Gauck beschieden. Das gilt auch umgekehrt.