In neuer Rolle als Staatsoberhaupt will Recep Tayyip Erdogan seine Mission, aus der Türkei eine neo-osmanische Großmacht zu machen, vollenden. Mit einer konkurrenzfähigen Wirtschaft, gottesfürchtiger Bevölkerung und ohne quertreibende Opposition soll dieser Aufstieg bis zum 100. Gründungstag der Republik 2023 gelingen. Geht der Plan auf, wird allerdings nicht viel vom republikanisch-kemalistischen Fundament des Staates geblieben sein.

Erdogan wird zunächst die Verfassung ändern. Der Präsident soll nicht länger oberster Grußonkel der Nation, sondern der bestimmende politische Akteur sein. Dabei muss seine AK-Partei mitziehen, die zudem loyales Personal für die Regierung zu stellen hat. Tanzt irgendwer an wichtiger Stelle doch aus der Reihe, könnte das geplante Machtgebäude schnell ins Wanken geraten. Widerstand lässt sich - siehe abgewürgte Gezi-Proteste - jetzt noch kleinhalten. Doch werden Millionen aufgeklärte Türken nicht auf Dauer nach Erdogans Pfeife tanzen. Seite 3