Matthias Platzeck ist weit vorgeprescht. Als Chef des Deutsch-Russischen Forums tritt er dafür ein, die Krim-Annexion durch Russland nachträglich zu legitimieren. Das hat ihm Empörung eingetragen. Wo käme die Welt auch hin, wenn eine gewaltsame Landnahme im 21. Jahrhundert hinterher völkerrechtlich abgesegnet werden würde.

Doch bei der Krim ist es komplizierter. Die Chance, dass die Ukraine je wieder einen Fuß auf die Halbinsel bekommt, tendiert gegen null. Nicht nur der russischen Militärmacht wegen. Die Krim ist kein ukrainisches Stammland, sondern wurde der Ex-Sowjetrepublik in einem zweifelhaften Akt 1954 von Chruschtschow zuerkannt. Warum nicht eine unorthoxe Lösung suchen? Das Volk per Referendum unter internationaler Aufsicht über die staatliche Zukunft der Krim entscheiden zu lassen, wäre so eine. Platzecks weitere Idee, die Krim an Russland zu verhökern, nicht. Das riecht nach finsterstem Mittelalter.