Die Vorgänge im Oberlandesgericht Naumburg werfen viele Fragen auf. Im Fall des unter Raubkopie-Verdacht stehenden IT-Verantwortlichen hat die Hausspitze zügig gehandelt. Ein Bauernopfer wurde schnell gefunden, genauere Prüfungen waren wohl nicht gewollt. Jedenfalls werden Hinweise, die OLG-Bedienstete und auch Richter in Bedrängnis bringen könnten, bis heute einfach ignoriert.

Es ist ein Unding, dass immer noch nicht geklärt ist, in welchem Umfang Richter und andere OLG-Bedienstete den inzwischen geschassten IT-Spezialisten für private Serviceleistungen in Anspruch genommen haben. Das Wegschauen der Hausspitze nährt den Verdacht, etwas unter den Teppich kehren zu wollen. Zugleich werden durch das Nicht-Handeln alle OLG-Mitarbeiter - also auch die anständigen - unter Generalverdacht gestellt. Kann das wirklich gewollt sein? Will das OLG nicht weiter Schaden nehmen, muss es alles tun, um die Vorgänge restlos aufzuklären. Noch hat es die Chance dazu.