Trotz Merkel-Plädoyers für eine freiheitliche demokratische Ordnung - Ungarns Premier Viktor Orban wird seinen autokratischen Regierungsstil weiter gnadenlos durchziehen. Denn Orban will zwar von der EU profitieren, schielt aber längst auch nach Russland. In zwei Wochen kommt dessen Präsident Wladimir Putin nach Budapest - mit russischem Geld sollen zwei Atommeiler in Ungarn gebaut werden. Auch politisch ist man sich nahe: Was in Russland als "gelenkte Demokratie" bekannt wurde, heißt in Ungarn "illiberale Demokratie". Nichts mit Freiheitlichkeit.

Doch weder die Bundeskanzlerin noch die EU haben mehr als Mahnungen parat. Die Einheit der Europäer geht angesichts der Ukraine-Krise vor. Unsichere Kantonisten gibt es genug: Griechenland, Bulgarien oder eben Ungarn. Also hat Orban freie Bahn. Den Ungarn, unter denen die Wut auf dessen Alleinherrschaft wächst, bleibt auch nach der Merkel-Visite nur die Hoffnung auf andere Zeiten.