Das Reden über Gehälter ist in der deutschen Gesellschaft noch immer weitgehend tabu. Ob Frauen deshalb für die gleiche Arbeit schlechter bezahlt werden als ihre Kollegen, ist fraglich. Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) ist davon überzeugt, sie will per Gesetz mehr Transparenz schaffen. Firmen sollen ihre Gehaltsstrukturen offenlegen und rechtfertigen.

Die Ministerin beweist Mut, verkennt jedoch, dass es politisch äußerst schwierig ist, mal eben gesellschaftliche Tabus zu brechen. Nicht etwa nur die Arbeitgeberverbände haben Widerstand angekündigt, auch der Koalitionspartner CDU stellt sich quer. Schwesig wäre gut beraten, erst einmal eine breite gesellschaftliche Debatte anzuregen, statt vorschnell auf ein Gesetz zu drängen.

Und ob staatlicher Zwang helfen würde, ist zu bezweifeln. In Schweden etwa gibt es völlige Transparenz. Dort kann sich jeder bei den Behörden darüber erkundigen, was sein Nachbar verdient. Trotzdem werden Frauen auch dort schlechter bezahlt als Männer.