Wie vor zehn Jahren schon wird wohl auch der Bundestagsantrag zum 100. Jahrestag der Massaker an den Armeniern den Begriff "Völkermord" aussparen. Es sei denn, die Spitzen der Koalition werden in letzter Minute anderen Sinnes. Unter den Parlamentariern jedenfalls greift die Genozid-Bewertung der Vertreibung und Vernichtung der Armenier im Osmanischen Reich in allen Parteien immer mehr Raum. Die Beweise für den Völkermord, der von Deutschland als Verbündetem sehenden Auges hingenommen wurde, sind erdrückend. Entsprechende Vorlagen haben zudem gerade Papst Franziskus und das Europaparlament geliefert.

Doch ist es in Deutschland unüblich, dass die Regierungsparteien die eigene Außenpolitik attackieren. Das müssten sie aber, denn das Auswärtige Amt ist es, das bei der Völkermord-Einstufung am heftigsten auf die Bremse tritt - wegen der zu erwartenden wütenden Reaktion der Türkei. So schlägt Staatsräson den Wahrheitswillen.