In der Europäischen Union, die sich selbst gern als weltoffene Gemeinschaft preist, hat sich einmal mehr Festungsmentalität durchgesetzt. Um den Kontinent vor Flüchtlingsmassen zu schützen, soll schon im Burggraben Mittelmeer scharf geschossen werden - Brüssel bläst zur Jagd auf Schleuserboote. Bis an die libysche Küste sind notfalls Einsätze innerhalb der Mission "EU Navfor Med" vorgesehen. Solange daraus keine Landnahme wird, könnten dies sogar die Russen im UN-Sicherheitsrat sanktionieren.

Nach dem jammervollen Scheitern bei Flüchtlingsquoten für die Mitgliedsstaaten gleicht das im Grunde einem Offenbarungseid. Ein Militär- einsatz mit zweifelhaften Erfolgsaussichten als kleinster gemeinsamen Nenner der EU zur Bewältigung der Flüchtlingskrise. Zwei Schiffe der Bundesmarine sind bereits im Mittelmeer unterwegs, bisher zur Flüchtlingsrettung. Womöglich bald mit Kampfauftrag: Deutschland wird künftig auch an der libyschen Küste verteidigt.