Für seinen politischen Rückzug hat der Dalai Lama ein für die Tibeter bedeutendes Datum gewählt. Am 10. März 1959 flohen er und seine Anhänger nach Indien, nachdem die Chinesen Tibet erobert und Aufstände der Einheimischen gewaltsam niedergeschlagen hatten.

Der chinesischen Regierung, die stets seine Legitimation angezweifelt hat, nimmt er damit ein wenig den Wind aus den Segeln. Die Beziehung zwischen Tibet und China stand in der Vergangenheit im Zeichen des Rückschritts. Zu borniert waren beide Seiten, um aufeinander zuzugehen.

Ob ein von den Tibetern gewählter Führer im Gegensatz zum Gottkönig an diesem Zustand etwas ändern kann, ist allerdings zu bezweifeln. Eine Exilregierung, die von Indien aus waltet und neu geschaffene demokratische Organe, die noch in Kinderschuhen stecken, werden auf die Machthaber in den Peking keinen spürbaren Druck ausüben können.(Politik)