Halle. Wohin steuert der Arbeitsmarkt in Sachsen-Anhalt? Traditionell zum Auftakt eines neuen Jahres gibt die Landesagentur für Arbeit einen Ausblick auf die Schwerpunkte ihrer Arbeit in den kommenden Monaten und einen tieferen Einblick in die Verfassung der Arbeitswelt zwischen Altmark und Dübener Heide.

Erste Aussage: Die Arbeitslosigkeit in Sachsen-Anhalt wird weiter zurückgehen. Ein "starker Impuls" kommt insbesondere von der demografischen Entwicklung, sagte der Chef der Arbeitsagenturen im Land, Kay Senius, am Montag in Halle.

Allerdings bleibt - zumindest kurzfristig - eine Unsicherheit. Die Frage ist, ob es gelingt, eine Ersatzlösung für die vom Auslaufen der Bürgerarbeit betroffenen 4300 Stellen zu finden. Wenn nicht, würde sich die Arbeitslosenquote um 0,4 Prozent erhöhen, machte Senius deutlich. Im Dezember waren in Sachsen-Anhalt rund 126.500 Menschen arbeitslos. Die Arbeitslosenquote lag bei 10,7 Prozent.

Langzeitarbeitslose sollen Gemeindearbeit leisten


Erste Bemühungen auf Landesebene gehen dahin, über das Programm "Aktiv zur Rente" zunächst 1100 älteren Langzeitarbeitslosen ab April für mindestens ein Jahr einen gemeinwohlorientierten Job in Gemeinden zu vermitteln.

Zweite Aussage: So positiv sich die Gesamtlage auch darstellt, wird es laut Arbeitsagentur immer schwieriger, den Bedarf an Fachkräften zu sichern. Es fehlen Lehrlinge, und 40.000 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte unter 35 Jahren haben keine abgeschlossene Berufsausbildung.

Die Arbeitsagenturen wollen Betroffene daher gezielt in diese Richtung qualifizieren, kündigte Senius an. Die Erfolgsaussichten seien gut. Bisher hätten 75 Prozent derjenigen, die über die Vermittlung der Arbeitsagenturen weitergebildet wurden, danach eine Anstellung gefunden.

25 Prozent der Jobs bleiben unbesetzt


Aktuell können die Unternehmen laut Arbeitsagentur etwa 25 Prozent der Stellen, die sie eigentlich besetzen könnten, mangels Masse nicht auffüllen. Bei Kleinstbetrieben mit bis zu vier Beschäftigten seien es sogar 40 Prozent. Der Fachkräfteengpass zieht sich durch alle großen Branchen. Ob Gesundheit, Metall, Bau oder Informationstechnologie - gesucht würden Kranken- und Altenpfleger, Schweißer, Mechatroniker, Modellbauer, Klempner, Heizungsbauer und Software-Entwickler.

Ein Schwerpunkt müsse daher darauf liegen, junge Menschen im Land zu halten, sie hier auszubilden und ihnen frühzeitig Entwicklungsmöglichkeiten in ihrem künftigen Beruf aufzuzeigen, machte Senius deutlich. Dazu gehöre auch eine gute Bezahlung. Im Schnitt verdiene ein Sachsen-Anhalter 2167 Euro im Monat, der Bundeswert liege bei brutto 2889 Euro. Von den hierzulande 55.0000 Vollzeitbeschäftigten müssten mehr als 40.000 mit deutlich weniger Geld auskommen - so etwa Reinigungskräfte mit 1388 Euro oder Floristen mit 1463 Euro.

Nach wie vor schwierig sei die Situation für ältere Arbeitslose über 50, die ein Jahr und noch länger ohne eine feste Anstellung sind, erklärte Senius. Deren Berufschancen würden sich mit jedem weiteren Tag verschlechtern. Für diesen Personenkreis müsse es einen "sozialen Arbeitsmarkt" geben. Das Programm "Aktiv zur Rente" allein reiche nicht aus. Hier seien zusätzliche arbeitsmarktpolitische Instrumente gefragt.

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