Steigender Aktienkurs, langfristige Aktionäre, neue Struktur: Nach einem Jahr sieht Tui-Chef Joussen Europas größten Tourismuskonzern auf Kurs. Die Konsumfreude der Urlauber stimmt die Konzerntochter Tui Travel zuversichtlich.

Hannover (dpa) l Bei Tui Travel laufen die Geschäfte mit dem Urlaub immer besser - doch für den Mutterkonzern Tui rückt die lange ersehnte Komplettübernahme seiner Veranstaltersparte in die Ferne. Derweil gelingt es der wichtigsten Konzerntochter zunehmend, teurere Reisen zu verkaufen. Tui-Chef Friedrich Joussen sieht unterdessen junge Reise-Portale im Internet als wichtigste Herausforderung für Europas größten Konzern der Branche.

Tui Travel gehört nur zu 56 Prozent dem deutschen Tui-Konzern, bei dem außerdem die konzerneigenen Hotels, die Flotten von Hapag-Lloyd Kreuzfahrten und Tui Cruises sowie die verbliebene Beteiligung an der Container-Reederei Hapag-Lloyd aufgehängt sind.

Die Frage einer Komplettübernahme stelle sich "im Moment für mich nicht", sagte Tui-Chef Joussen. "Die relativ komplizierte Struktur, die wir heute mit Tui und unserer Tochter Tui Travel haben, ist zwar auch beim Kulturwandel eine Herausforderung, aber es geht sichtbar voran."

Die Gesellschaft war 2007 aus der Fusion mit dem Konkurrenten First Choice entstanden. Für Tui Travel verlief das Geschäft zuletzt weitgehend erfreulich - trotz der Unruhen am sonst so beliebten Winterreiseziel Ägypten. Im Schnitt hätten die Kunden für den Winter wie für den bevorstehenden Sommer bislang rund drei Prozent teurere Reisen gebucht, bilanzierte Tui-Travel-Chef Peter Long am Donnerstag. Zwar entschieden sich im Winter zehn Prozent weniger Deutsche für einen Urlaub mit Europas größtem Veranstalter, dafür bezahlten sie im Schnitt gleich sechs Prozent mehr dafür als ein Jahr zuvor. Dabei halbierte sich der Anteil der Ägypten-Reisenden laut Joussen zuletzt von neun auf knapp vier Prozent. Gewinner seien Griechenland und vor allem die Kanaren.

Im ersten Geschäftsquartal bis Ende Dezember hielt Tui Travel den Umsatz mit 2,7 Milliarden britischen Pfund (rund 3,3 Mrd. Euro) auf dem Niveau des Vorjahreszeitraums. Der bereinigte operative Verlust sank auch dank weiterer Einsparungen im Frankreich-Geschäft um sieben Prozent auf 108 Millionen Pfund. Unter dem Strich ging der Fehlbetrag um acht Prozent auf 111 Millionen Pfund zurück. Reiseveranstalter schreiben im Winterhalbjahr meist rote Zahlen. Ihre Gewinne fahren sie in der Hauptreisezeit im Sommer ein.

Joussen sieht den Reiseverkauf im Internet als wichtige strategische Frage. Die neue Messlatte seien nicht mehr klassische Wettbewerber, sondern Online-Anbieter wie der Expedia-Ableger Trivago, dessen Nutzer Hotelangebote von rund 200 Buchungsseiten im Internet auf einen Blick vergleichen können. Auch bei Tui Travel wächst der Online-Absatz: Für den Sommer buchten acht Prozent mehr Kunden ihren Urlaub im Internet als ein Jahr zuvor.