Frankfurt/Main (dpa) l Europas größte Direktbank ING-Diba hat mit einem starken Neukundengeschäft im vergangenen Jahr einen Rekordgewinn erwirtschaftet. Unter dem Strich hat die Frankfurter Tochter der niederländischen Großbank ING 474 Millionen Euro (Vorjahr: 325 Mio. Euro) verdient und damit rund sechs Mal soviel wie die Commerzbank. Vor Steuern stieg das Ergebnis von 486 auf 691 Millionen Euro, wie Deutschlands drittgrößte Privatkundenbank am Freitag in Frankfurt berichtete.

Die Direktbank konnte nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr 500.000 neue Kunden gewinnen - meist über Tagesgeld- oder Girokonten. Damit verwaltet sie für nun 8,1 Millionen Kunden ein Geschäftsvolumen von 204 Milliarden Euro - das sind 17 Milliarden Euro mehr als 2012.

Ihren Kurs werde die Bank auch in diesem Jahr fortsetzen, kündigte der Vorstandsvorsitzende Roland Boekhout an: "Mit überdurchschnittlichen Sparzinsen und den heutigen Kredit-Zinssenkungen wollen wir in allen Geschäftsfeldern kontinuierlich weiter wachsen und neue Kunden gewinnen." Seit Freitag hat das Institut die Dispo- und Überziehungszinsen auf einheitlich 7,95 Prozent deutlich abgesenkt.

Zinsen am oberen Rand des Wettbewerbs

Die Spareinlagen der Kunden kletterten binnen Jahresfrist um neun Prozent auf den Rekordwert von 104 Milliarden Euro. Den Großteil des Wachstums steuerte das weiterhin sehr erfolgreiche Tagesgeldangebot bei, erläuterte die Bank. Hier offeriert die ING-Diba für Neukunden regelmäßig Zinsen am oberen Ende des Wettbewerbs - aktuell mit 1,5 Prozent in der Nähe der Inflationsrate. Zudem ist das Geld durch die deutsche Einlagensicherung geschützt.

Bei den Girokonten wurde 2013 erstmals die Millionen-Grenze überschritten. Die Zahl der Konten wuchs um 12 Prozent auf 1,1 Millionen. Das Angebot für Privatleute umfasst zudem Wertpapierhandel, Baufinanzierungen und Konsumentenkredite. Auch in diesen Feldern vermeldete die Direktbank Zuwächse. Das seit 2011 in die ING-Diba integrierte Firmenkundengeschäft wurde weiter ausgebaut. Das Kreditvolumen wuchs um zwei Drittel auf nun rund 5 Milliarden Euro.

Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Beschäftigten bei der Direktbank um 180 auf rund 3400. Die ING-Diba kommt ohne teure Geschäftsstellen aus. Neukunden kommen meist über das Internet mit dem Institut in Kontakt, das weitere Produkte und Service vor allem online und über Telefon anbietet.

Begünstigt wird der Trend zu Direktbanken durch das schwindende Vertrauen der Konsumenten zu traditionellen Bankberatern. Laut einer in dieser Woche veröffentlichten Umfrage der Ruhr-Universität Bochum sieht nicht einmal mehr jeder dritte Aktienbesitzer die Bankberatung als wichtige Informationsquelle vor einer Kaufentscheidung an.