Zielitz l Die Preise für Kalisalz sind im vergangenen Jahr rapide eingebrochen und zwingen K+S Kali zu Einsparungen. Am Standort Zielitz hat das Unternehmen zwar eine neue Anlage für 20 Millionen Euro in Betrieb genommen - doch Einschnitte drohen auch hier.

Über das "Bekenntnis zum Standort", das die neue, 20 Millionen Euro teure Produktionsanlage darstellen soll, dürften sich die mehr als 1800 Beschäftigten im Kaliwerk Zielitz gefreut haben. Wie K+S-Vorstandsmitglied Gerd Grimmig am Mittwoch beim Betriebsstart erläuterte, soll die Anlage künftig hochreines Kaliumchlorid produzieren, das in der Industrie zum Beispiel für die Herstellung von Gläsern, Keramik, Pflanzenschutzmitteln und Pharmazeutika benötigt wird.

Doch das Unternehmen, das weltweit Kali- und Magnesiumprodukte verkauft, durchlebt derzeit wirtschaftlich schwere Zeiten - was auch Folgen für den Standort Zielitz haben könnte. Im vergangenen Jahr sind die Preise für Produkte aus Kalisalz auf dem Weltmarkt zweitweise um bis zu 30 Prozent eingebrochen. Grund hierfür sind die Marktstrukturen: BPC, eine Verkaufsgemeinschaft russischer und weißrussischer Kali-Produzenten hatte sich aufgelöst. Insbesondere eine russische Firma versuchte daraufhin, den Weltmarkt mit großen Mengen Kalisalz zu billigen Konditionen aufzurollen.

Den Großabnehmern von Kalisalzen in China, Indien und Brasilien kam das gelegen. Sie kauften nicht nur günstiger ein, sondern schoben angesichts fallender Preise Bestellungen auf. "Diese Entwicklung hat uns teilweise getroffen", erklärte Konzernsprecher Ulrich Göbel gestern auf Volksstimme-Anfrage. Zwar sei K+S dabei, das Geschäft zunehmend auf Spezialprodukte zu verlagern, doch Preis- und Nachfrageeinbrüche bei Kali-Standardprodukten würden sich eben auch auf die Geschäftszahlen niederschlagen. "Mittlerweile haben sich die Preise zwar etwas erholt, liegen aber immer noch 15 Prozent unter dem früheren Niveau", so Göbel. In der Konzernzentrale in Kassel werde deshalb an einem Spar-Programm über drei Jahre gearbeitet, dass noch im ersten Halbjahr 2014 in Kraft treten soll.

"Wir wollen die Strukturen unseres Unternehmens überprüfen und feststellen, ob wir noch wettbewerbsfähig aufgestellt sind", sagte Göbel. Neben Einsparungen bei Materialkosten und Optimierungen von Betriebsprozessen soll auch der Personalumfang angepasst werden - an allen Standorten des Konzerns, also auch in Zielitz.

"Wir denken nicht über Entlassungswellen nach, aber prüfen, Stellen nicht nachzubesetzen und Befristungen auslaufen zu lassen", sagte Göbel. Was das konkret für Zielitz bedeutet, stehe aber noch nicht fest. Doch dass der Standort vom Sparprogramm verschont bleibt, ist unwahrscheinlich. Das Werk in Zielitz ist mit einer Rohsalzförderung von 12 Millionen Tonnen pro Jahr eines der größten Kaliwerke weltweit und hat mit 30 Prozent einen wesentlichen Anteil an der Gesamtproduktion von K+S Kali. Zudem ist das Werk mit mehr als 1800 Beschäftigten einer der größten Arbeitgeber im Norden Sachsen-Anhalts, zahlt jährlich 100 Millionen Euro an Löhnen und Gehältern aus, was die Kaufkraft in der Region erheblich steigert.

Beim Produktionsstart der neuen Anlage blieb das Sparprogramm weitgehend unerwähnt. Regierungschef Reiner Haseloff, der mit seinen Kabinettskollegen Holger Stahlknecht und Thomas Webel (alle CDU) zugegen war, erklärte lediglich, K+S sei einer der wichtigsten Arbeitgeber im Land und zeuge mit seiner neuerlichen Investition für die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Sachsen-Anhalt. Er wies zudem auf das Spannungsverhältnis zwischen Wirtschafts- und Umweltschutzinteressen beim Bergbau hin und kündigte an, dahingehend mit K+S weiter konstruktiv zusammenzuarbeiten.