Magdeburg l Entgegen dem Bundestrend hat die Zahl der Firmenpleiten in Sachsen-Anhalt zugenommen. Im vergangenen Jahr meldeten 708 Unternehmen Insolvenz an, 2012 taten das nur 657. Der Anstieg um 7,8 Prozent überrascht, da die Pleiten bundesweit laut dem Statistischen Bundesamt um 8,1 Prozent auf 25.995 zurückgegangen sind. "Eine Erklärung für den Anstieg der Unternehmensinsolvenzen hierzulande könnte sein, dass sich unsere Wirtschaft 2013 insgesamt etwas schwächer entwickelt hat", erklärte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums Sachsen-Anhalt. Es müsse aber auch berücksichtigt werden, dass die Zahl der Insolvenzen im Land bereits im Jahr 2012 zurückgegangen war - damals mit 14,9 Prozent sogar deutlich stärker als bundesweit (-6 Prozent). Insofern gleiche sich die Entwicklung über die Jahre etwas aus.

Ein durchwachsenes Bild ergibt sich auch für den Insolvenzverwalter Lucas Flöther, der über seine Niederlassungen in Magdeburg und Halle tagtäglich mit Pleiten zu tun hat. "Zwar haben mehr Firmen Insolvenz angemeldet, aber im Vergleich zu den Vorjahren waren keine größeren Betriebe betroffen", erläuterte Flöther. Derzeit treffe es vor allem kleine und mittlere Betriebe. "Einerseits sind Managementfehler ausschlaggebend, andererseits haben Firmen auch mit Kunden zu kämpfen, die ihre Rechnungen nicht bezahlen", so Flöther.

Erschwerend komme oft hinzu, dass sich Banken bei der Kreditvergabe nach wie vor zurückhalten und Firmenchefs oftmals zu spät auf wirtschaftliche Schieflagen reagieren. "Wenn ein Unternehmen frühzeitig Insolvenz anmeldet, hat es auch bessere Chancen, aus der Krise wieder rauszukommen." Unter starkem Druck stehen Flöther zufolge derzeit Firmen im Einzelhandel und Automobilzulieferer. "Der harte Preiswettbewerb der Discounter bringt zum Beispiel Bäckereien in Schieflage." Auch Auto-Konzerne würden trotz guter Bilanzen derzeit "die Finanzschrauben enger drehen", was dann auf Kosten ihrer Zulieferer gehe.