Der "Girls`Day" ist mittlerweile deutschlandweit bekannt. Einige Bundesländer haben ihn nun ausgebaut - und lassen Mädchen ein Jahr lang Technik-Luft schnuppern.

Stuttgart (dpa) l Die lackierten Fingernägel fassen noch zögerlich das Werkzeug an. Vorsichtig feilt Dajana Buzejka die Kanten ab. Sie werkelt an einem Flugsimulator, der einen Kunstschmetterling mit Hilfe von Licht scheinbar fliegen lassen soll. Die Kombination von Technik und "Mädchenkram" ist nicht zufällig: Die 15-Jährige nimmt an der sogenannten "Girls`Day Akademie" teil. Statt nur einen einzigen Tag wie beim Vorreiter "Girls`Day", schnuppern Mädchen hier ein Jahr lang in vermeintliche Männerberufe.

"Ich habe versucht, etwas zu finden, was eine junge Dame anspricht", erklärt Pedro Carlos Hoffmann Guimeraes den Schmetterling. Er ist Ausbildungsleiter bei der schwäbischen Söhnergruppe, die unter anderem Kunststoffteile für die Autoindustrie baut und sich an der Akademie beteiligt. Für Mädchen war Söhner bisher kein Wunscharbeitgeber: Von gut 20 Lehrlingen aus dem technischen Bereich sind 2014 lediglich zwei weiblich.

Zwischen Mädchenkram und Männerdomäne

Um mehr Mädchen für technische Berufe zu begeistern, hat das Land Baden-Württemberg die "Girls`Day Akademie" ins Leben gerufen. Ein Jahr lang schnuppern Schülerinnen von Klasse sieben bis zehn dabei Werkstattluft. Neben Terminen in Unternehmen gibt es Arbeitsgruppen in der Schule zu Themen wie Energie oder Mechanik.

Das Modell findet bundesweit Anklang: Nach Berlin hat im Schuljahr 2013 Bayern nachgezogen, Hannover und Hamburg sollen bald folgen. "Was hat man denn für Vorstellungen von einer Werkstatt?", fragt Hoffmann Guimeraes. "Es ist laut, es ist dreckig und es qualmt." Das schrecke vor allem junge Frauen ab.

Die 15-jährige Dajana wollte ursprünglich auch "irgendwo im Büro" arbeiten. Vom Fräsen und Bohren ist sie aber nicht abgeschreckt. "Es macht Spaß", sagt die Realschülerin.

Die vielen männlichen Kollegen würden sie nicht stören, betont sie. Nur dass während der Arbeit ein Unfall passieren könne, sorge sie ein wenig.

Solche Ängste soll die Akademie den Mädchen nehmen, erklärt Marina Eres, die in der bundesweiten Servicestelle für das Projekt verantwortlich ist. 500 Mädchen durchlaufen allein in Baden-Württemberg jährlich die "Girls`Day Akademie".

Christoph Ernst ist Personalleiter bei der Söhnergruppe und glaubt, dass durch die Akademie mehr hängenbleibt, als beim bloßen "Girls`Day". Dass die Mädchen in seinem Unternehmen ausgerechnet einen Schmetterling bauen, hält er dabei nicht für problematisch. "Auch ein Schmetterling braucht Technik", betont er. "Es geht darum, Akzente zu setzen."

Und die langen Fingernägel? "Die gehen irgendwann kaputt", sagt Ausbildungsleiter Hoffmann Guimeraes. "Damit müssen sie klarkommen."