Wie die digitale Datenbrille funktioniert

Die Brille "Oculus Rift" sieht aus wie eine übergroße Ski-Brille, vor den Augen steckt ein 7 Zoll (17,8 cm) großer Bildschirm. Das reicht aus, um dem Menschen recht wirksam vorzugaukeln, dass er sich mitten im Geschehen zum Beispiel in einem Spiel befindet.

Das Display ist eine Spezialentwicklung mit erhöhter Helligkeit und einer hohen Bildwiederholungsrate für schnelle Reaktionszeiten. Ein entscheidendes Element sind Sensoren, die Bewegungen verfolgen, damit sich das Geschehen exakt anpasst, wenn man zum Beispiel den Kopf dreht. Die 3D-Effekte sollen besonders gut an menschliche Sehgewohnheiten angepasst werden.

In der aktuellen Version hängt die fast 400 Gramm schwere "Oculus Rift" noch an diversen Kabeln für die Stromversorgung und den Anschluss an das Steuergerät. Wann die Brille für Verbraucher auf den Markt kommt, ist nach fast zwei Jahren Entwicklungszeit immer noch offen. Spiele und andere Programme müssen speziell für "Oculus Rift" angepasst werden.

Der Ansatz von Oculus unterscheidet sich fundamental von dem Konzept für die Datenbrille Google Glass. Die "Oculus Rift" soll den Anwender für eine begrenzte Zeit - etwa für ein Spiel - komplett von der Außenwelt abschirmen. Das Konzept von Google Glass dagegen sieht vor, dass die Brille den ganzen Tag lang getragen werden kann.

Menlo Park (dpa) l Facebook wird mit seinem nächsten Milliarden-Zukauf zum Gerätehersteller. Das Online-Netzwerk übernimmt Oculus VR, einen Spezialisten für digitale Brillen, die virtuelle Welten darstellen. Der Kaufpreis beträgt bis zu 2,3 Milliarden Dollar (1,7 Mrd. Euro).

"Mobile Geräte sind die Plattform der Gegenwart; wir bereiten uns auf die Plattformen der Zukunft vor", begründete Facebook-Gründer Mark Zuckerberg den Zukauf am Dienstag. "Oculus hat die Chance, die sozialste Plattform aller Zeiten zu erschaffen und damit die Art und Weise zu verändern, wie wir arbeiten, spielen und kommunizieren." Zuckerberg hatte erst vor wenigen Wochen 19 Milliarden Dollar für den Kurznachrichtendienst WhatsApp hingeblättert.

Oculus VR hatte mit der für Computerspiele gedachten Datenbrille "Oculus Rift" für Schlagzeilen gesorgt. Sie könnte nach langer Entwicklungszeit eventuell im Sommer erscheinen. Tester loben, man könne damit sehr glaubhaft in virtuelle Welten eintauchen. Die Technik mit einem großen Display vor den Augen ist aber immer noch recht klobig. Die Entwicklung des Geräts und der Plattform dahinter soll auch unter dem Dach von Facebook weitergehen.

Facebook zahlt 400 Millionen Dollar

Die Brille ist bereits seit 2012 in Arbeit. Ihre Erfinder hatten sich damals zunächst 2,4 Millionen Dollar von Internet-Nutzern bei der Online-Plattform Kickstarter beschafft. Inzwischen waren insgesamt über 90 Millionen Dollar in die Firma gesteckt worden.

Facebook zahlt für Oculus VR 400 Millionen Dollar in bar und etwa 1,6 Milliarden Dollar in eigenen Aktien. Hinzu kommen später bis zu 300 Millionen Dollar, wenn bestimmte Ziele erreicht werden. Der Höhenflug der Facebook-Aktie gibt Zuckerberg eine Akquisitionswährung für solche Riesen-Deals. Ein weiterer großer Zukauf von Facebook war die Foto-Plattform Instagram, die jetzt 200 Millionen Nutzer hat.

Virtuell anwesend beim Arzt oder im Stadion

Facebook mit inzwischen einer Milliarde Nutzern allein auf mobilen Geräten hat auch eine große Spiele-Plattform, die von "Oculus Rift" profitieren könnte. Zuckerberg erklärte jedoch, es gebe noch jede Menge weitere Anwendungsmöglichkeiten für solche Datenbrillen über das Spielen hinaus. Sportfans könnten sich die besten Plätze im Stadion sichern, virtuelles Lernen würde verbessert oder Konversationen mit dem Arzt. Man fühle sich "wahrhaft anwesend".

Zu den Rivalen gehört der japanische Elektronikriese Sony mit seinem jüngst vorgestellten "Project Morpheus". Nutzer der Playstation 4 können sich mit dieser Brille in virtuelle Spielewelten einklinken.

Oculus VR soll im kalifornischen Irvine beheimatet bleiben und damit nicht in die Firmenzentrale von Facebook nach Menlo Park umziehen. Zuckerberg hatte zuvor auch WhatsApp größtmögliche Eigenständigkeit zugesichert. Der Entwickler des Spiels "Minecraft", Magnus Persson, sagte nach dem Facebook-Deal die geplante Anpassung des Games für Oculus ab und will jetzt auf Sonys Konkurrenzgerät setzen.