Magdeburg l Das Aus für Magdeburgs letzte Gießerei Ende April ist vorerst vom Tisch. Am Arbeitsgericht Magdeburg haben Betriebsrat und Geschäftsleitung der Global Casting Magdeburg GmbH einen Vergleich geschlossen (AZ 5BVGa3/14). Demnach haben sich beide Parteien geeinigt, dass Fertigungs- und Modellanlagen vorerst nicht abtransportiert werden.

Als neuer Termin für die Schließung steht nun der 13. Juni im Raum. "Für uns ist das ein Teilerfolg. Wir haben nun mehr Zeit, um nach Investoren zu suchen", sagte Betriebsratsvorsitzender René Kündinger der Volksstimme. Die Gießerei fertigt mit insgesamt 100 Beschäftigten Bauteile für die Windkraftindustrie. Grundlage für die Entscheidung des Arbeitsgerichtes ist das Betriebsverfassungsgesetz. Demnach müssen Betriebsrat und Arbeitgeber über einen Interessenausgleich verhandeln.

Die Entscheidung für das Aus des Standortes war mit der nur geringen Auslastung (50 Prozent) der Gesamtkapazität begründet worden. Die wirtschaftlich schwierige Lage in der Gießereiindustrie habe eine strategische Neuausrichtung der Global Castings Group erfordert, hieß es aus dem Unternehmen.

Nun hat sich die Belegschaft in einem Offenen Brief an die Geschäftsleitung gewandt. Darin werfen sie der Chefetage vor, mit falschen Zahlen zu hantieren. Bei den in Magdeburg gefertigten Teilen handele es sich um Produkte für einen wachsenden Markt mit zuletzt steigender Nachfrage. Weiter heißt es: "Auch bei einer derzeit geplanten Auslastung von rund 60 Prozent ist Global Casting Magdeburg in der Lage, einen Gewinn zu erwirtschaften."

Der Offene Brief ging neben der Geschäftsleitung auch an Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD). "Es gab ein Treffen mit dem Betriebsrat und der IG Metall an meinem Tisch, und auch mit der Geschäftsführung möchte ich noch reden. Es wäre aber falsch, jetzt große Hoffnungen zu streuen. Für uns als Stadt ist es sehr, sehr schwer, etwas zu unternehmen", kommentierte Trümper gegenüber der Volksstimme.

Dass es bereits Gespräche mit möglichen Investoren gibt, bestätigte Magdeburgs Wirtschafsbeigeordneter Rainer Nitsche (CDU). Das Wirtschaftsdezernat sei "mit fünf bis acht Unternehmen" nicht nur aus Magdeburg im Gespräch, um Möglichkeiten für eine Nachnutzung der einstigen SKL-Gießerei in Salbke "abzuklopfen": "Bis jetzt haben wir noch keine Absage erhalten. Deshalb bin ich optimistisch."

Vom Unternehmen Global Castings habe er jedoch das klare Signal erhalten, dass der Standort Magdeburg aufgrund von Überkapazitäten aufgegeben werden soll: "Die Haltung ist eindeutig. Die sechs Wochen Verlängerung dürfen da nicht zu Missverständnissen führen", sagte er. "Als Stadt unterstützen wir die Belegschaft und den Betriebsrat bei allen Bemühungen gegen eine Schließung. Aber wir bereiten uns auch auf den Fall vor, dass es nicht klappt", so Nitsche.

Der Betrieb in Magdeburg hat eine mehr als 100-jährige Tradition und stellt hauptsächlich Gussteile für den Maschinenbau und die Windkraftindustrie her. Die Jahreskapazität liegt bei 20 000 Tonnen. Erst 2013 trennte sich der Windkraftanlagenhersteller Vestas von der Magdeburger Gießerei und verkaufte das Werk an die Beteiligungsgesellschaft Global Castings.

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