Magdeburg l Die Energiegewinnung in der Nordsee ist laut einer Studie des Hamburger Ökonomen Steffen Bukold riskant: Im vergangenen Jahr gab es auf Öl-Plattformen im britischen Seegebiet 551 meldepflichtige Störfälle, 2012 waren es 518. Weitere 40 Störfälle ereigneten sich 2013 vor der Küste Norwegens.

"Fast täglich wird die Nordsee mit Öl und schädlichen Chemikalien verschmutzt, sei es durch Unfälle, Unachtsamkeiten oder Materialermüdung", schreibt Bukold in seiner Untersuchung. Auch wenn die Öl-Plattformen vorwiegend im britischen Seegebiet stehen, stellten Störfälle und Beinahe-Katastrophen wegen der Strömungsverhältnisse eine Gefahr für die deutsche Küste dar, warnt der Energie-Experte. "Die norddeutschen Strände könnten je nach Umfang des Störfalls stark und lange verschmutzt werden", so Bukold. Bei grobkörnigen Sandstränden könnte das Öl tief eindringen und nur langsam durch Bakterien abgebaut werden.

Schleichende Verschmutzung der Nordsee

Zu den schwersten Störfällen rechnet Bukold die zeitweise außer Kontrolle geratenden Gaslecks auf den Plattformen "Gannet Alpha" im Jahr 2011 und "Elgin-Franklin" im Jahr 2012. Neben den Störfällen, bei denen unerlaubt Öl und Chemikalien ausliefen, kritisiert Bukold außerdem die schleichende Verschmutzung der Nordsee durch erlaubte Einleitungen von ölhaltigem Wasser.

"Mehrere Tausend Tonnen pro Jahr stellen in der Summe eine Art \\\'Dauerstörfall\\\' dar", schreibt Bukold. Der Experte geht davon aus, dass bis zu 6000 Tonnen Öl pro Jahr in die Nordsee fließen. Als Gründe für die zunehmende Zahl von Störfällen führt er veraltete Technik auf den Borinseln sowie lasche Kontrollen der britischen und norwegischen Behörden an. Lediglich sieben der mehr als 4000 Vorfälle der vergangenen Jahre hätten die Behörden mit Geldstrafen geahndet. Und die höchste Strafe betrug nur 24.000 Euro.

Die Grünen im Bundestag, die Steffen Bukold mit der Studie beauftragt hatten, fordern nun von der Bundesregierung, dass sie bei den Briten und Norwegern auf schärfere Kontrollen der Öl-Plattformen drängt.

Untersuchung von Windparks auf Umweltschäden

"Es kann nicht sein, dass wir irgendwann die Küsten hier für mehrere Milliarden Euro säubern müssen, nur weil die gut verdienenden Ölfirmen zu wenig in die Sicherheit ihrer Anlagen investieren", so die naturschutzpolitische Sprecherin Steffi Lemke.

Ob neben den Ölförderanlagen auch Windparks auf See die Umwelt beeinträchtigen könnten, wollen die Energiefirmen Eon, Dong Energy und Strabag analysieren. Untersucht werde ein 4300 Quadratkilometer großes Gebiet nördlich der ostfriesischen Inseln, teilten die Unternehmen mit. Alle drei Firmen planen oder bauen Offshore-Windparks in der Nordsee und sind deshalb verpflichtet, mögliche Beeinträchtigungen der Umwelt zu prüfen. Eine eigens dafür gegründete Gesellschaft soll eine Datenbank erstellen.