Gardelegen. Wirtschaftsminister Reiner Haseloff (CDU) hat der neuen Geschäftsführung des Gardeleger Automobilzulieferers AKT Altmärker Kunststoff-Technik GmbH gestern seine Unterstützung zugesagt. Haseloff nahm am Tag nach dem Insolvenzantrag des mit 1007 Mitarbeitern größten Arbeitgebers des Altmarkkreises Salzwedel an einer Pressekonferenz teil. Zuvor hatte er mit den neuen Geschäftsführern Andrew Seidl und Bernhard Schettle sowie dem Berliner Insolvenzverwalter Christoph Schulte-Kaubrügger gesprochen. Das Land gehört seit 2009 zu den Gläubigern des Unternehmens, das Spritzgussteile und hochkomplexe Module für die Autoindustrie herstellt.

Hauptauftraggeber von AKT ist der VW-Konzern. Deshalb hatte Haseloff bereits mit dem niedersächsischen Ministerpräsidenten David McAllister telefoniert, der das Land Niedersachsen im Aufsichtsrat des Konzernes vertritt. Der Ministerpräsident habe ihm zugesagt, dass er den Umstrukturierungsvorgang bei AKT unterstütze.

Die AKT soll über ein Insolvenzplanverfahren saniert werden, sagte gestern Andrew Seidl. Es handele sich um ein "reines Sanierungsverfahren".

Das Insolvenzantragsverfahren ende am 31. März, sagte Schulte-Kaubrügger. Ziel sei der Erhalt des Unternehmens und der Arbeitsplätze. Nach der Eröffnung des Verfahrens würden Einigungen mit den Gläubigern gesucht, der Insolvenzplan mit ihnen abgestimmt. Das Planverfahren sei oft für die Gläubiger besser als das normale Insolvenzverfahren, das mit der Zerschlagung oder dem Verkauf des Unternehmens ende – sofern die Gläubiger "an die Zukunft des Unternehmens glauben". Erste Gespräche, betonten die Geschäftsführer, seien erfolg- versprechend verlaufen.

Die Auftragsbücher bei AKT sind voll, 150 Leiharbeiter arbeiten im Werk. Zudem mussten Aufträge nach außen vergeben werden. Das alles habe zu hohen Kosten geführt, die nicht einkalkuliert gewesen seien, sagte der Insolvenzverwalter.

Schettle betonte, die AKT fertige derzeit 3100 verschiedene Erzeugnisse. Gerade das Altsortiment erfordere einen hohen organisatorischen Aufwand, hinzugekommen seien neue Großaufträge. "Zu viele Sonderfahrten, zu viel Ausschuss, zu viele Dienstleistungen – da kollabiert das System", fasste Schrettle zusammen. Es wäre besser gewesen, einige Aufträge nicht anzunehmen. In Gesprächen mit den Kunden soll versucht werden, unrentable Aufträge zu beenden oder kostengünstiger darzustellen.

Für AKT sei der Aufschwung nach der Automobilkrise zum Problem geworden, sagte Seidl. Eine Restrukturierung innerhalb der Aufschwungphase sei kaum möglich: "AKT war in der Falle." Unter der "Käseglocke" der Planinsolvenz hingegen sei die dringend nötige Restrukturierung leichter.